"Extratouren" in Santa Maria Maggiore

Simone-Clio

Augustus
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Ein Besuch der Papstbasilika Santa Maria Maggiore gehört mit Sicherheit zu den besonders schönen Erlebnissen für Pilger und Touristen in Rom. Nicht ganz so bekannt wie die Basilika selbst, sind die hier "Extratouren" genannten Möglichkeiten zur Besichtigung und zwar das Museum der Basilika , die Benediktionsloggia, die Sala dei papi mit der "Treppe Berninis" sowie die archäologischen Ausgrabungen unter der heutigen Kirche.

Am 21. Juli 2016 habe ich gemeinsam mit Claude an zwei geführten Besichtigungen teilgenommen. Zunächst ging es hinunter in den Bereich der archäologischen Ausgrabungen, anschliessend hinauf auf die Benediktionsloggia und weiter zur Sala dei papi.

Es folgt ein Auszug aus meinem Reisebeicht "Cartoline da Roma" der hoffentlich einen kleinen Einblick in das zu Erwartende bietet. Die Teilnahme an solchen Führungen kann ich nur empfehlen.

Da wir eine Weile warten mussten, bis wir an einer Führung durch die archäologischen Ausgrabungen unter der Basilika und zur Loggia teilnehmen konnten, hielten wir uns zunächst in der Kirche auf (...).

Beim Verlassen der Borghese-Kapelle entstanden diese beiden Bilder:


In der Kapelle selbst herrscht Photographierverbot.

WIkipedia schrieb:
Die Cappella Borghese (oder auch Cappella Paolina) links, die zur Zeit des Borghese-Papstes Paul V. entstand, gilt als prunkvollste Privatkapelle aller römischen Kirchen und enthält das Gnadenbild Salus Populi Romani (Beschützerin des römischen Volkes), das einst als Lukasikone angesehen wurde.
Quelle: Santa Maria Maggiore - Wikipedia

Diesem Gnadenbild stattet Papst Franziskus immer wieder, z.B. vor Antritt einer weiten Reise und nach der Heimkehr, einen Besuch ab.

Das Relief über dem Gnadenbild ist ein Werk von Stefano Maderno. Der Künstler hat Papst Liberius dargestellt, während er, wie die Legende berichtet, den Grundriss von Santa Maria Maggiore in den Schnnee zeichnet. Dazu gleich noch mehr.

Wir begaben uns nun zum Eingang des Museums der Basilika und bald begann die Führung in italienischer Sprache. Eine kleine französische Pilgergruppe (6 Personen, darunter zwei junge Geistliche, von denen einer ins Französische übersetzte) sowie Claude und ich gelangten mit unserer netten Führerin zuerst zu den

Archäologischen Ausgrabungen

Wie auf der Webseite des Museo Liberiano beschrieben, kann man unter der heutigen Basilika Reste einer zwischen dem 1. und dem 4. Jh. bewohnten römischen domus sehen. Das große Gebäude

(...) geht auf augusteische und hadrianische Zeit zurück. Sein Haupteingang befand sich unter der Apsis der heutigen Kirche und hatte einen Säulenhof mit den Maßen 37,30 m × 30 m. Die Vermutung, es könnte sich um das Macellum der Livia handeln, das auf dem Esquilin lag, wurde nicht bestätigt. Unter Kaiser Konstantin dem Großen wurden zwei Wände mit einem Bauernkalender bemalt zur Verdeutlichung der ländlichen Arbeiten in den einzelnen Monaten. Der Kalender wurde aber wenig später mit einer Bemalung im Stil einer Marmordekoration verdeckt.
Quelle

Die Ausgrabungen wurden in den Jahren 1966 bis 1971 durchgeführt, als man wegen Bodenfeuchtigkeit Sanierungsmaßnahmen durchführte.


Links und Mitte: Thermenbereich
Rechts: Am Geländer lehnt eine Tafel zur Erklärung eines interessanten Exemplars eines Sator-Quadrates
Siehe: Sator-Quadrat - Wikipedia


Wandmalerei​

Prächtig muss der Bauernkalender gewesen sein, der an die Aussenmauer des Anwesens gemalt war. Leider ist von den Fresken vom Ende des 2. Jahrhunderts, die die bäuerlichen Tätigkeiten der 12 Monate darstellten, nur ganz wenig erhalten. Hier erkennt man mit einiger Mühe die Obsternte im September (vgl. hier):


Da der Akku meines Photoapparates fast leer war, habe ich nur ganz wenige Bilder an diesem wirklich sehr interessanten Ort gemacht. Auf dem Rückweg aus den unterirdischen Bereichen durchquerte unsere Gruppe auch das Museo del tesoro. Da wir keinen Eintritt für dieses bezahlt hatten, konnte ich die schöne Krippe von Arnolfo di Cambio leider nur im Vorübergehen bewundern.

Zu Fuß (es gibt aber auch einen Fahrstuhl) stiegen wir zur

Benediktionsloggia

hinauf. Schon lange hatte ich mir gewünscht die herrlichen Mosaiken aus dem 13./14. Jh. zu sehen. Zum Glück hatte mein Photoapparat ein Einsehen ;) und genehmigte mir dort noch eine Reihe von Bildern.

Wikipedia schrieb:
Die antike Basilika ist von außen nicht frei sichtbar. So wurde der alten, mit Mosaiken verzierten Ostfassade um 1750 eine spätbarocke Portikus mit Benediktionsloggia vorgelagert, die von Ferdinando Fuga entworfen wurde. Die Mosaiken des 13./14. Jahrhunderts sind dabei erhalten geblieben.
Quelle

Die Mosaiken sind in zwei Registern angeordnet. Im oberen Register erkennt man links Jakobus den Älteren, Paulus, Maria und über ihnen die symbolische Darstellung des Evangelisten Johannes, rechts Johannes den Täufer, Petrus, Andreas und über ihnen die symbolische Darstellung des Evangelisten Matthäus.


Das mittlere Feld der Mosaiken des oberen Registers wird von einer prächtigen Darstellung des thronenden Jesus Christus beherrscht. Er trägt eine Purpurtoga und hält in der Linken ein offenes Buch während er mit der Rechten segnet. Zu Füßen von Jesus Christus erkennt man folgenden Schriftzug mit dem Namen des Mosaikkünstlers: "Philippo Rusuti fecit hoc opus".


Filippo Rusuti (etwa 1255 bis etwa 1325) war ein in Rom und Neapel tätiger Mosaikkünstler. Gemeinsam mit Jacopo Torriti und Pietro Cavallini gehörte er der römischen Schule des 13. Jahrhunderts an und war gemeinsam mit Jacopo Torriti auch an der Innenausstattung von S. Maria Maggiore beteiligt.

Die Entwürfe zu den Mosaiken des unteren Registers sollen auch von Rusuti stammen aber von seinen Schülern in Abwesenheit des Meisters ausgeführt worden sein.

Wikipedia schrieb:
Gli storici dell'arte ritengono che il registro inferiore dello stesso mosaico, con le Storie della fondazione della chiesa liberiana, sia da ritenersi un intervento di alcuni anni successivo e attribuibile a seguaci del Rusuti che lo realizzarono sui suoi disegni, ma in assenza del maestro.
Diese erzählen in 4 Szenen die Legende vom Bau Santa Maria Maggiores.

Bevor wir uns dieser zuwenden, muss ich gestehen, dass ich den Ausführungen unserer Führerin an dieser Stelle kaum zugehört habe, weil ich (in der leider zu knapp bemessenen Zeit auf der Loggia) darauf konzentriert war, brauchbare Bilder zu machen.

Wunderschön finde ich auch die beiden Engelpaare von Pietro Bracci (1700 bis 1773). Sie schmückten ursprünglich den Baldachin über dem Hauptaltar von S. Maria Maggiore, wurden aber, dem Willen Papst Pius' XI. (1922 bis 1939) gehorchend, entfernt um die Sicht auf das Apsismosaik zu verbessern und stehen seit dieser Zeit in der Benediktionsloggia.


Wenden wir uns nach diesen ersten Eindrücken den Mosaiken des unteren Registers zu.


Mittlerer Bereich, Szenen 2 und 3​

Sie erzählen in vier Szenen folgende Geschichte: Der Legende nach erschien die Muttergottes in der Nacht vom 4. auf den 5. August 363 dem Patrizier Johannes und seiner Frau, einem kinderlosen Ehepaar, das die Gottesmutter als Erbin einsetzen wollte. Sie erschien zugleich Papst Liberius im Traum und äußerte auch ihm gegenüber den Wunsch, ihr eine Kirche zu bauen an der Stelle, an der an diesem Sommermorgen Schnee liege. Am Morgen des 5. August war der Esquilinhügel auf wunderbare Weise von Schnee bedeckt. In Begleitung von Priestern und Volk zog Papst Liberius auf den Esquiln und steckte im frischgefallenen Schnee den Grundriß der Kirche ab. Das Ehepaar sorgte für die nötigen Mittel zu ihrem Bau.
Von dieser ersten Kirche ist uns nichts erhalten, außer einem Zitat im Liber Pontificalis, in dem steht, daß Papst Liberius sagte: "Fecit Basilicam nomini suo iuxta Macellum Liviae". Sie wurde 432 unter Papst Sixtus III. durch eine größere ersetzt. Die Neueinweihung fand am 15. August 432 statt. Bis heute wird der Weihetag von S. Maria Maggiore, die auch den Beinamen "Maria della neve" (Maria Schnee) trägt, gefeiert.

1. Szene: Maria erscheint Papst Liberius im Traum (Sogno di Papa Liberio)


2. Szene: Maria erscheint dem Patrizier Johannes im Traum (Apparizione della Madonna in sogno al patrizio Giovanni)


3. Szene: Der Patrizier Giovanni/Johannes erzählt dem Papst von seinem Traum (Il patrizio Giovanni narra la visione della Madonna a papa Liberio)


4. Szene: Papst Liberius zeichnet den Grundriss der künftigen Kirche in den Schnee. (Papa Liberio traccia il perimetro della basilica di S. Maria Maggiore sulla neve)
Unter der Darstellung von Jesus und Maria sieht man die immer dichter werdenden Schneeflocken auf den Esquilin niederrieseln. Fast sieht es aus als schüttele Frau Holle ihre Kissen aus. ;)



Es ist eine Freude, die Details (Kleidung, Intérieurs ...) und den expressiven Ausdruck vieler Gesichter zu betrachten. Von der Loggia aus geniesst man auch einen herrlichen Blick auf den Platz vor der Basilika und die Gestalt der Madonna mit Kind auf der 46 Meter hohen Säule (Colonna della Pace) aus der Maxentiusbasilika auf dem Forum. Sie wurde auf Wunsch von Papst Paul V., Borghese (1552 bis 1621) hierher gebracht. Die Säulenbasis und der Brunnen sind Werke von Carlo Maderno, die Statue ein Werk von Guillaume Berthélot.



Wir verließen die Loggia und gelangten in die

Sala dei papi und Scala del Bernini


Hier sind in riesigen Schränken kostbare liturgische Gewänder aussgestellt. Von dort konnten wir einen Blick auf die sogenannte Scala del Bernini werfen. Die Geistlichen der Basilika nutzen sie regelmäßig.


Es ist nicht sicher ob die Treppe wirklich ein Werk von Gian Lorenzo Bernini ist. Wenn ja, war er sehr jung als er die Entwürfe für dieses Treppenhaus machte, erst sechzehn, laut dieser Quelle mit weiteren Photos: 2013 S. Maria Maggiore, Bernini la scala a, progetto di Gian Lorenzo all'età di 16 anni | Flickr - Photo Sharing!


Praktische Hinweise und Linktipps:

Ich kann nichts Gesichertes dazu schreiben, aber uns wurde gesagt, dass das Personal beim Mittagessen sei. Wir mussten etwa eine Stunde auf die Wiederaufnahme der Führungen warten. Für einen nächsten Besuch würde ich persönlich diese Stunden vermeiden.

Einer Aussage von @ColleMarina im Dezember 2016 zufolge ist eine Mindestteilnehmerzahl von 5 Personen erforderlich um in den Genuss einer Führung zu gelangen. Siehe: Cartoline da Roma

Für @Angela und ihren BEVA stellte man aber auch eine Führung für 2 Personen auf die Beine. Siehe: Cartoline da Roma

Eine Weile konnte man die Führungen auch vorab buchen. Diese Möglichkeit habe ich leider nicht mehr gefunden. Die Domain der Webseite des Museo Liberiano hat sich seither geändert. 2016 noch museoliberiano.net, inzwischen museoliberiano.it.

Museoliberiano.it – Basilica Papale di Santa Maria Maggiore

The Museum is open daily, including Sundays and holidays, from 9:30 to 18:30.
Das reguläre Eintrittsticket fürs Museum kostet 3 Euro.

Basilica di Santa Maria Maggiore / Chiese cattoliche / Luoghi di culto di interesse storico-artistico / Cultura e svago - 060608.it

Loggia delle Benedizioni + Sala dei Papi + Scala del Bernini
€ 5,00: guided tour - Duration 30/35 minutes

Scavi Archeologici
€ 5,00 (€ 4,00 students and over 65) guided tour - Duration 30/35 minuti
Basilica Papale Santa Maria Maggiore
 

Simone-Clio

Augustus
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Stammrömer
Vielen Dank Euch beiden für die freundlichen Worte!

Was mir nicht bewusst war, dass man in einer anderen Führung Ausgrabungen aus der Antike unter Santa Maria M. besichtigen kann. Mir hat damals leider nicht die Zeit gereicht.
Dann hast du noch eine sehr lohnende Besichtigung vor Dir! Und mir "fehlt" noch das Museum.
 
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