Erste Begegnung mit Rom im Alter von neun Jahren

Lea Tabea

Legionär
Reisebericht Mutter-Sohn (9 J.)-Reise 13.-18.10.12


Samstag: Ankunftstag
Ankunft Aeroporto Leonardo da Vinci / Fiumicino Samstag 17.30 Uhr mit Air France. Um 17.45 Uhr hatten wir unseren Koffer, um 18:05 fuhr unser Terravision-Bus schon ab, obwohl ich einen für 18:30 per Internet gebucht hatte. Wir durften einfach einsteigen, nur die Zeit wurde auf meinem Internet-Ausdruck durchgestrichen. Ein zweiter Sicherheitsausdruck war im Prinzip gar nicht nötig. Etwa um 19 Uhr Ankunft Termini-Bahnhof. Der Busbahnhof war leicht zu finden und der Bus 105 brachte uns zu unserem Hotel Principe Eugenio. Noch eine Kleinigkeit gegessen und mein Sohn fiel müde ins Bett.


Sonntag: 1. Tag
Das erste und wichtigste Ziel: Forum Romanum. Die Tram Nr. 3 ließ lange auf sich warten, so 20-30 Minuten auf jeden Fall, aber es war autofreier Sonntag, somit keine Abgase an der Straße. Eine alte Römerin erzählte uns während des Wartens, dass sie zu einer Kirche fahre, in der sie vor 50 Jahren geheiratet habe, wenn ich sie richtig verstanden habe: auf dem Forum Romanum. Zuvor war sie am Grab ihres schon lange verstorbenen Mannes gewesen und empfahl uns den Friedhof, der inzwischen ein Museum sei, als besonders sehenswert (cimitero del Verano). Außerdem verwies sie auf eine Straße, die direkt zu einem Mahnmal für die getöteten Soldaten eines Massakers der Nazis führte. Man habe unter den Deutschen gelitten, aber nun hätten wir ja einen deutschen Papst. Für sie schien es etwas gut zu machen. Sie stieg mit uns am Kolosseum aus, zeigte uns noch sehr freundlich den Weg und ging dann ihres Weges. Am Palatin angestellt, weil man dort ohne Schlange reinkommen sollte. Den Geheimtipp kennen inzwischen wohl viele (besser Eintrittskarten per Internet). Wir standen eine Stunde in der Warteschlange, aber immerhin bei bestem Wetter. Für meinen Sohn war am Ende der Palatin das Beste des Tages. Es ist schön, den grünen Hügel unter Bäumen zu erklimmen und die enormen Gebäude zu sehen. Die ganze Anlage ist imposant. Und dann als Steigerung das Forum Romanum, z.T. so heiß, dass wir die Dunkelheit im Tempel des Romulus genossen. In der Abendsonne auf alten Steinen sitzen und die Säulen des Saturntempels zeichnen: für meinen Sohn ein weiterer Höhepunkt des Tages. Kinder genießen eben das Verweilen – ich auch. Zum Abschluss das Kolosseum mit Video-Guida: ganz interessant. Mein Sohn hat viele Details behalten und war beeindruckt, was er auf diesem Weg alles erfahren konnte. Das Gebäude selbst ist natürlich sowieso kolossal, umwerfend, unglaublich, aber zu wissen, dass dort ein 24-Stunden-Betrieb in Unterhaltung herrschte, das gibt doch zu denken.
Dann ein weiteres Muss: Abendessen im Ristorante „Da Pancrazio“, Piazza del Biscione, benachbart zum Campo de'fiori, weil man im Keller die Überreste des Pompeius-Theaters sehen kann. Das war für meinen Sohn im Nachhinein der schönste Tag. Hin gekommen sind wir aber nur durch raten. Keine Ahnung, wie man durchs Bus-System in Rom durchsteigen soll. Die Infos per Smartphone habe ich nicht empfangen können, bin aber auch Dilettantin auf diesem Gebiet. Wir stiegen in einen Bus, der ungefähr in die richtige Richtung fuhr, stiegen am Circus Maximus aus, genossen den Herkules-Tempel und Bocca della veritá, allerdings schon hinter verschlossenen Toren (zum Foto reichte es trotzdem), suchten einen weiteren Bus etwa in die richtige Richtung. Der Busfahrer wusste nicht, wie wir zum Campo de' fiori kommen könnten. Als ich ihm die dort vorbei fahrenden Buslinien aufzählte, meinte er: Umsteigen an der Piazza Venezia. Wir fanden sogar einen Sitzplatz. Kurz darauf kam eine jüngere Römerin zu uns: Sie habe mitbekommen, dass der Busfahrer uns eine völlig falsche Auskunft gegeben habe. Sie würde uns die richtige Haltestelle zeigen und von dort müssten wir nur 5-10 Minuten laufen. Ich bedankte mich und sagte, dass es sehr nett von ihr sei. Darauf ihr Kommentar: Die Römer seien nett aber würden von ganz schlimmen und unfähigen Typen regiert. Auf Touristen würde keine Rücksicht genommen: keine Anzeige der Haltestelle, keine Hinweise auf Umsteigemöglichkeiten, nichts. - Wo sie Recht hat, ...


Montag: 2. Tag
Total k.o. Liegt es am dritten Tag unterwegs sein oder daran, dass es gestern zu viel war? Egal, die Tickets für die Vatikanischen Museen sind online gebucht und wir lassen sie natürlich nicht verfallen. Welcher Genuss, an der wahnsinnig langen Schlange einfach vorbei zu gehen und sofort Einlass zu erhalten, wieder geführt auf einem direkteren Weg durch Nebenstraßen, diesmal von einem jungen Einwanderer aus Nigeria, der uns nach der richtigen Haltestelle der Metropolitana für St. Peter gefragt hatte. Er wollte Tickets für Freunde besorgen, um einige Tage später mit ihnen die Museen zu besuchen, hätte uns gerne wieder getroffen, war offenbar sehr auf Kontaktsuche, wollte auch gerne nach Schweden oder Deutschland weiter ziehen. Wichtig sei ihm nicht, ob es in einem Land kalt oder warm sei, sondern allein, ob er Geld verdienen könne. Auf alles andere könne er sich einstellen. Die Antikensammlung war das Beeindruckendste für mein Kind, vor allem Trajan hat es ihm angetan, aber auch all die anderen Statuen, auf die wir als erstes gestoßen sind. Alles weitere war im Grunde zu viel. Ich hätte im Nachhinein gerne vorher gewusst, wie man es anstellt, die unendlich weiten Wege zu vermeiden. Dass man sich auf wenige Punkte beschränken sollte, war mir ja vorher klar. Aber wie kommt man nach der Antikensammlung sofort zu den Stanze di Raffaello und der Sixtinischen Kapelle? Wahrscheinlich nicht möglich. Mit Kind also auf jeden Fall ein Fehler. Der Tag war gelaufen. Als wir endlich bei dem zweiten und dritten Höhepunkt, also Raffael und Sixtinische Kapelle, ankamen, waren wir so erledigt, dass uns deren Schönheit praktisch egal war – naja, mir selbst doch nicht so ganz. Es hätte möglicherweise eine Familienführung gegeben (ein Schild am Beginn des Rundgangs oben wies darauf hin), aber mein Sohn war total dagegen. Ob das genutzt hätte? Die erste Straßenbahn in Sicht war unsere, egal wohin, nur sitzen und rausschauen können (U-Bahn ist doch schade). Es war die Linie 19 und brachte uns zur Porta Maggiore. Das wussten wir aber erstmal gar nicht. Ich erkundigte mich bei einer nett aussehenden Dame neben mir, ob die Bahn in auswärtige Stadtteile fahre. Es entwickelte sich schnell ein Gespräch in der recht leeren Bahn mit Beteiligung zwei weiterer älteren Damen, in dem sie ausführlich über alle Möglichkeiten beratschlagten, wo wir am besten umsteigen könnten und doch noch etwas sehen. Die Hilfsbereitschaft ist wirklich enorm bei den RömerInnen.
Ausruhen im Hotel, dann kam sowieso der dicke Regen: Cats and Dogs, auf Italienisch kann man nur sagen: „Piove tanto.“, wie ich bei der Gelegenheit von unserem netten Hotelwirt gelernt habe. Gibt eben wohl nicht oft so viel Regen, dass man einen Ausdruck dafür bräuchte. Er beschrieb uns noch ein empfehlenswertes Lokal in 5 min Entfernung (Tempio di Minerva, Via P. Umberto). Aber selbst bis dahin wären wir trotz Schirm komplett durchnässt gewesen. So tat es eben auch die kleine Pizzeria mit Self-Service-Charakter im Mobiliar zwei Eingänge weiter, wo die Pizza allerdings leider nicht gut war. Und die sehr empfohlene Eisdiele Fassi hatte Ruhetag. Welche Enttäuschung, vor verschlossenen Türen zu stehen, hätte sie den Abend doch vielleicht noch retten können. Aber so sammelten wir Kräfte für den nächsten Tag.


Dienstag: 3. Tag
Bei bestem Wetter und klarer Luft mit der Stadtbahn vom U-Bahnhof Piramide aus Richtung Ostia Antica, diesmal mit genauer Wegbeschreibung dank der netten Hilfe hier im Forum (Metro-Station Piramide, gemeint ist die Cestius-Pyramide), dort Übergang zur Stadtbahn Richtung Lido, aussteigen Ostia Antica, per Fußgängerbrücke die große Straße überqueren, die Straße wenige Minuten hoch gehen, links abbiegen und schon ist man da. Man beginnt mit der Nekropole, wie immer an den Ausfallstraßen der Römer. Das war schon imposant genug, was wir dort sahen. Am Eingangstor hörte ich zufällig auf Deutsch eine ältere Dame mit einem Ehepaar reden, dass sie eine private Führung anbieten würde, man in einer Stunde viel mehr zu sehen bekäme, als man alleine schaffen könnte. Ich fragte, ob wir uns dazu gesellen dürften. So würden wir uns die Kosten durch vier teilen. Es war eine pensionierte Kunsthistorikerin, die uns viel Hintergrund bot und zu den interessanten Ecken des öffentlichen Teils der Stadt führte: beispielsweise die sehr sehenswerten Mosaike der Thermen, die Feuerwache, den Platz der Innungen, wo noch die Mosaike zeigen, welche Innung oder welches Handwerk in dem Ladenraum seine Vertretung hatte, wie die Straße verlief und dass die Portici am Rande überdacht waren und beim neueren Teil sogar zweigeschossig waren mit Geschäften auch im oberen Teil. Sie wies uns auch darauf hin, welche Schäden die von Mussolini angepflanzten Pinien durch ihre Wurzeln anrichteten und hatte allerlei interessante Geschichten auf Lager. Auch brachte sie uns die antike Geschichte und Religion durch lebendige Vergleiche nahe, wie man z.B. zu Ceres betete um das tägliche Brot und das Korn direkt neben deren Tempel lagerte, und zwar für ganz Rom, das von hier aus mit Wagen beliefert wurde. In den Thermen zeigte sie uns einen Durchschlupf, wo dahinter ein altes Becken (natürlich leer) mit Stufen war, wo man früher im warmen Wasser es sich gut gehen ließ. Am Rand waren noch die Abwärmerohre zu sehen, alle aus Ton, von dem darunter liegenden Heißraum. Die ganzen Vorgänge und die Konstruktion der Therme erklärte sie sehr anschaulich. In einer Insula (Mietshaus) wies sie uns auch auf die Aussparungen für Rohrleitungen hin, die für das Abwasser da waren. Im Obergeschoss gab es kein fließendes Wasser, sondern man musste sich zum Brunnen vor dem Haus begeben, der aber von Wasserleitungen gespeist wurde. Für das Abwasser musste man aber nicht erneut runtergehen, sondern durch die Abwasserrohre wurde es letztendlich zum Tiber geleitet. Es fühlte sich so an, als wäre das alles gar nicht so lange her, als wären die Häuser erst vor kurzem verlassen worden und die Kultur noch greifbar nahe. Wirklich toll. Aber sie sprach meinen Sohn immer an – eigentlich nett – er wusste auch viele Fragen zu beantworten. Trotzdem war es nachher ein großer Minuspunkt für diesen Tag aus seiner Sicht. Für ihn wurde der Tag danach erst schön: Einfach herumstreunen, staunen, sich selbst überlegen, was das gewesen sein könnte, Details bewundern, egal wofür das mal war und das schöne Wetter genießen. Im Grunde war es ein erholsamer Ausflug ins Grüne. Bedauert haben wir sehr, dass wir kein Badezeug dabei hatten, denn das Meer, so wurde uns gesagt, war noch warm und andere waren dort in den Tagen zuvor schön geschwommen. Damit hätte ich aber Mitte Oktober nicht mehr gerechnet. Dafür haben wir es uns dann noch im Restaurant gut gehen lassen und uns nach ausgiebiger Pause vor Antritt des Rückweges das Museum angeschaut.
Auf dem Rückweg einmal um die Cestius-Pyramide herum gegangen. Mit der U-Bahn fahren wollten wir mangels schöner Aussicht nicht. Und so begannen wir wieder das Ratespiel mit den Bussen und Bahnen, hatten somit noch eine kleine Stadtrundfahrt und landeten abends dann endlich beim leckeren Eis im Palazzo del Freddo – Fassi. „Köstlich!“ kann ich nur sagen. Wie macht der Italiener: Zeigefinger in die Wange bohren.


Mittwoch: 4. Tag
Morgens ruhig angehen gelassen, in Ruhe das nette Frühstück im Hotel genossen und dann so langsam los zu den bedeutenden Altertümern, die unserer noch harrten: Trajanssäule (auf die Entfernung leider von den Reliefs nicht so viel zu erkennen) und Kaiserforen. Zufällig stießen wir auf das Museum, in dem man digitale Rekonstruktionen der Kaiserforen jeweils in einem Raum mit Relikten des entsprechenden Forums bewundern kann. Das hat uns ernorm erleichtert, ein lebendiges Bild davon zu gewinnen. Es befindet sich in dem Gebäude, dessen frühere Bestimmung seltsamerweise nicht so genau bekannt ist, das aber doch aussah, als hätte es zu den Trajansmärkten gehört. Auf jeden Fall antik. Dort haben wir uns lange aufgehalten. Dann mussten natürlich noch ein paar Basics sein: Spanische Treppe, wo wir uns verliefen und schließlich auf dem Quirinal vor dem Präsidentenpalast landeten. Davor war eine große Riege dicker Autos geparkt, wohl von den Chauffeuren, die ihre Minister bringen und abholen mussten. Es war interessant, dem Treiben zuzuschauen. Trevi-Brunnen, weil wir schließlich mit der Münze (rechte Hand über linke Schulter) unser Wiederkommen sichern wollten. Aber was war es dort voll kurz vor Sonnenuntergang. Es war ja kaum möglich, an das Wasserbecken heran zu treten. Und dann Piazza Navona: Das tosende Leben. Besonders schön: zwei Stepperinnen, wie in den 1920ern gekleidet, die auf der Straße vor einem Restaurant auftraten. Wir schauten Eis schleckend von einer Bank aus zu. Ansonsten der ganze Platz voll mit Karikaturisten und Portraitzeichnern. Vor den Häusern die Tische der Restaurants voll besetzt. Der Vierströmebrunnen wunderschön in der Dämmerung beleuchtet, geheimnisvoll und überwältigend ausdrucksstark. Wir mussten uns dann noch ein zweites Eis besorgen, weil das Erste aus einem Restaurant, das auch Eis verkaufte, wirklich nicht gut war. Eine richtige Eisdiele muss es offenbar schon sein. Dort waren wir sehr zufrieden. Busse Richtung Termini findet man zum Glück leicht. Von dort kannten wir ja dann unser Verkehrsmittel. Schade! Abschiedsstimmung.
Donnerstag: Abreisetag
 
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