Die Brunnen Giacomo della Portas

Angela

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15.03.2020-22.03.2020

Simone-Clio

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Fontana di Marforio
1594


Von der Piazza di San Marco im Rione Pigna kehren wir zurück in den Rione Campitelli zum Campidoglio.

Wie schon gesagt, hatte Papst Sixtus V. die Figur des Marforio 1592 zum Kapitol bringen lassen.

Dort wurde sie doch noch Bestandteil eines von Giacomo della Porta entworfenen Brunnen. Er stand in der Nähe einer Stützmauer der Terasse von Santa Maria in Aracoeli mit Blick auf den auch von della Porta erbauten Konservatorenpalast. Von allen Brunnen auf dem Kapitol stammte nur dieser von della Porta. Es war das letzte Werk des grossen Brunnenbaumeisters.

Die Statue des Marforio, eine der sechs sogenannten sprechenden Statuen, wurde vor ihrer Aufstellung auf dem Kapitol restauriert. Den Auftrag dazu erhielt der Bildhauer Ruggero Bascapè. Er ergänzte u.a. Fuss und Hände der antiken Gottheit. So sah die Skulptur vor der Restaurierung aus.

Aussserdem sollen der kolossale Kopf Kaiser Konstantins (heute im Innenhof des Konservatorenpalastes) und die Original-Bronzekugel welche ursprünglich den vatikanischen Obelisken krönte (heute in den Kapitolinischen Museen) den Brunnen geschmückt haben.


Leider habe ich keine Darstellung des Brunnens gefunden, welche dies belegt. Einzig folgendes Bild des noch frei stehenden Brunnens habe ich entdeckt. Ob der Kopf die Konstantinbüste darstellen soll kann man nicht sagen …


Im 17. Jahrhundert, rund fünfzig Jahre nach der Realisierung des Entwurfes von della Porta, als die Arbeiten am Palazzo Nuovo fortschritten, wurde der Brunnen abgerissen und Marforio auf Befehl von Papst Innozenz X. (1644 bis 1655) in den Innenhof des neuen Palazzo versetzt, wo er sich heute noch befindet.

Als im Palazzo Nuovo die Kapitolinischen Museen eingerichtet wurden, erhielt der Brunnen 1734 eine Inschrift zu Ehren von Papst Clemens XII. (1730 bis 1740). Er hatte den Palazzo eben zum ersten öffentlichen Museum der Welt erklärt. Noch später kam eine kleine Papstbüste dazu.

So sehen wir den Marforio immer noch in einer Nische des Innenhofes im Palazzo Nuovo wenn wir die Kapitolinischen Museen besuchen.


 

Angela

Augustus
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15.03.2020-22.03.2020
Liebe Simone,

wieder einmal hast Du erstaunliche Hintergrundinformationen zur Geschichte der Fontana di Marforio zusammengetragen! :thumbup:

Herzlichen Dank dafür sagt

Angela
 

mystagogus

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19.09.2018-25.09.2018
Liebe Simone,

wieder einmal hast Du erstaunliche Hintergrundinformationen zur Geschichte der Fontana di Marforio zusammengetragen! :thumbup:

Herzlichen Dank dafür sagt

Angela

und mystagogus schließt sich gerne an und ist begeistert!
Ich freue mich schon auf die nächsten Beiträge.
 

Simone-Clio

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@ Angela, Asterixinchen und mystagogus

Es freut mich, dass Ihr den Brunnenvorstellungen etwas abgewinnen könnt. Leider habe ich kein eigenes Foto des Marforio-Brunnens.
Als nächstes werden wir den vierten Brunnen und letzten Brunnen della Portas im Rione Campitelli besuchen. Danach geht es weiter in den Rione Colonna.
Bis dann! :)
 
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Simone-Clio

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Fontana di Piazza Campitelli
1589


Die Piazza Campitelli im gleichnamigen Rione habe ich am 30.10.2010 kennengelernt, als Angela, dentaria, Karolina und ich noch vor Gauklers Ankunft unterwegs zum Kapitol waren. (Vergleiche: Über den Dächern von Rom)

Noch klingen mir ihre Worte: “Dann erzähl mal” in den Ohren. Aufgrund damals noch mangelnder Recherche kann ich diesen Wunsch heute bessser erfüllen, umsomehr, als ich Ende Dezember weitere Fotos gemacht habe um den Bericht besser illustrieren zu können.

Der Name “Campitelli” leitet sich von “Capitolium” dem lateinischen Namen für den nahegelegenen Campidoglio (italienisch) ab.

Der heute, von parkenden Autos abgesehen, recht ruhige Platz wird von der Kirche Santa Maria in Campitelli, einem Konvent und mehreren grossen Palazzi, z.B. dem Palazzo Serlupi, der wegen seines Pflanzenschmucks auffällt, gesäumt.


Von den Palazzi möchte ich besonders diejenigen der Adelsfamilien und Albertoni und Capizucchi hervorheben.


Links der Palazzo Albertoni und daran anschliessend der Palazzo Capizucchi (mit heute heller Fassade).​

Der Palazzo Albertoni wurde ab 1575 von Giacomo della Porta gebaut und von Girolamo Rainaldi fertiggestellt. Die Familie Albertoni hatte noch weiteren Besitz an der Piazza, u.a. das Geburtshaus der durch Berninis Skulptur bekannten Beata Ludovica Albertoni (1474 bis 1533).

Der Palazzo Capizucchi, dessen Bau 1580 begann ist ein Werk della Portas, der hier einen Plan von Vignola überarbeitet hat.

Nun aber zum Brunnen:

In Auftrag gegeben und zum grössten Teil bezahlt wurde er von vier am Platz oder in der Nähe lebenden Adligen, Jacopo Albertoni und Mario Capizucchi sowie Giovambattista Ricci und ? Muti. Die Muti hatten sich nicht an der Finanzierung des Brunnens an der Piazza d’Ara Coeli, vor ihrem eigenen Palazzo beteiligt, da sie bereits den Brunnen an der Piazza Campitelli mitfinanziert hatten und u.a. ihre Angestellten diesen nutzten. (Vergleiche: Die Brunnen Giacomo della Portas)


Auf einer einstufigen Basis erhebt sich ein achteckiges Bassin mit konkaven und geraden Seiten. Als Verzierung der konkaven Seiten dienen die vier Wappen der geldgebenden Familien. Die geraden Seiten werden von zwei grotesken, wasserspeienden Masken sowie zwei Wappen der Stadt, die den Brunnen zum Teil mitfinanzierte, geschmückt.

Über diesem Bassin erhebt sich, wie oft bei della Portas Brunnen, eine runde Schale auf einem Baluster.


Ihr Wasser strömt in die untere Schale, von wo das Wasser in eine Rinne im viereckigen Sockel fliesst.

Der Platz des Brunnens an der Piazza war ursprünglich ein anderer. Giacomo della Porta hatte ihn in der Mitte des Platzes genau vor der Kirche errichtet.


Als die Kirche zwischen 1675 und 1679 vergrössert worden war, erhielt der Brunnen einen abgelegeneren Platz, da “die Hektik und das hemmungslose Geschwätz von Dienern, Kutschern und anderer rund um den Brunnen” scheinbar die Gottesdienste gestört hatte. Auf die Klage der Geistlichen hin, liess Papst Innozenz XI. Odescalchi den Brunnen 1679 verlegen.

Diese Gravur von Giuseppe Vasi (1710 bis 1782) zeigt den Brunnen bereits am wenige Meter entfernten neuen Standort.

Zum Abschluss noch zwei Fotos aus den dreissiger und sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts:



Da es ein langer Ausflug an die Piazza Campitelli war, erlaube ich mir einen kleinen Spass und lade euch wenigstens virtuell zum Besuch des Ristorante Vecchia Roma ein. ;)Ich erwarte euch in der Sala Fontana. :idea: Bekocht werden wir von Raffaella Palladino.

 
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Angela

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15.03.2020-22.03.2020
:thumbup: Sehr schön, liebe Simone :nod: - vielen Dank für Deine interessanten Brunnen-"Geschichten", die ich schon eine Weile mitlese. Aber diesen mag ich besonders gerne, irgendwie gefällt mir diese Piazzetta sehr. Wieder etwas für die Vormerkliste für die nächste Rom-Reise ;)
Lieben Gruß
Pasquetta

Liebe Simone,

auch ich sage Dank für die Geschichte dieses Brunnens, der auch mir beim letzten Ausflug besonders gefallen hat, zumal ich zum ersten Mal dort war!
Das Restaurant, in das Du uns mitgenommen hast, sieht auch verlockend aus, der würde sich ein realer Besuch einmal anbieten! ;)

Liebe Grüße

Angela
 

dentaria

Augustus
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13.12.2021-18.12.2021

Da es ein langer Ausflug an die Piazza Campitelli war, erlaube ich mir einen kleinen Spass und lade euch wenigstens virtuell zum Besuch des Ristorante Vecchia Roma ein. ;)Ich erwarte euch in der Sala Fontana. :idea: Bekocht werden wir von Raffaella Palladino.


Vielen Dank für die Einladung! :nod:
Ich bin schon so oft dort vorbei gelaufen und habe doch noch nie dort gegessen. :cry:
Vor allem der Garten sieht stets sehr reizvoll aus. :thumbup:​
 

mystagogus

Pontifex
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19.09.2018-25.09.2018
Vielen Dank für die Fortsetzung des Brunnen-Berichts.
Das hilft mir doch sehr, in Zukunft ein wahrer "mystagogus" in Rom zu werden. Von der Piazza Campitelli ist es ja nicht mehr weit bis zum Schildkrötenbrunnen auf der Piazza Mattei. Dort aber hatte della Porta wohl keine Arbeit mehr gefunden. Nun ja...
Gespannt warte ich auf die nächsten Brunnengeschichten.
Gruß von
mystagogus
 

Simone-Clio

Augustus
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@ Pasquetta, Angela, dentaria und mystagogus
Vielen Dank für eure netten Rückmeldungen!

... vielen Dank für Deine interessanten Brunnen-"Geschichten", die ich schon eine Weile mitlese. Aber diesen mag ich besonders gerne, irgendwie gefällt mir diese Piazzetta sehr. Wieder etwas für die Vormerkliste für die nächste Rom-Reise ;)

Schön, dass Du mit dabei bist! Es freut mich, dass ich Dir noch etwas Neues in Rom zeigen konnte. Eine Vormerkliste habe ich auch bereits wieder angefangen ...

... auch ich sage Dank für die Geschichte dieses Brunnens, der auch mir beim letzten Ausflug besonders gefallen hat

So ging es mir auch!

Von der Piazza Campitelli ist es ja nicht mehr weit bis zum Schildkrötenbrunnen auf der Piazza Mattei. Dort aber hatte della Porta wohl keine Arbeit mehr gefunden. Nun ja...

Doch, hat er!
Hier der Beweis:


Mehr dazu in der entsprechenden Brunnengeschichte. Noch bin ich mit dieser leider nicht soweit.
 

mystagogus

Pontifex
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Rom-Reise
19.09.2018-25.09.2018
Doch, hat er! :idea:
Hier der Beweis:


Mehr dazu in der entsprechenden Brunnengeschichte. Noch bin ich mit dieser leider nicht soweit.

Hätt' ich mir ja denken können, zumal ich schon vor dem Schild gestanden habe. Meine Recherche zeigt, dass della Porta den Entwurf geliefert hat.
Ich freue mich schon auf Deine weiteren Informationen.
Gruß
mystagogus
 
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Simone-Clio

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Fontana in Piazza Colonna
oder
Fontana di Portasanta

1577


Papst Gregor XIII Boncompagni (1572-1585) gab den Entwurf zu einem Brunnen an der Piazza Colonna in Auftrag. Damals bat della Porta zum ersten Mal darum, die soeben auf dem Forum Romanum entdeckte und noch dort verbliebene Figur des Marforio für die Brunnengestaltung nutzen zu dürfen.

Hier einer der anscheinend sehr seltenen erhaltenen Entwürfe des Brunnenbaumeisters.

Della Porta plante eine Felsgrotte (auch von zwei Delfinen habe ich gelesen) rund um die Figur des antiken Wassergottes. Auch sollte der Brunnen direkt am Sockel der Mark Aurel-Säule platziert werden und mit dieser eine Einheit eingehen.

Der Plan wurde abgelehnt und das elegante Brunnenbecken 1577 ohne Skulpturenschmuck am aktuellen Standort näher zur Via del Corso hin aufgestellt. Ausführender Steinmetz war Rocco de Rossi aus Fiesole.


Der Brunnen wird auch Fontana di Portasanta genannt. Diesen Namen hat er von der Marmorsorte, aus der er zum allergrössten Teil gearbeitet ist. Die verarbeiteten antiken Marmorblöcke wurden im Hafen Porto di Traiano gefunden.


Der meist rötliche Marmor von der griechischen Insel Chios wird seit der Renaissance auch “di Portasanta” genannt, weil er für die Türpfosten der Heiligen Pforten in San Pietro in Vaticano, in der Basilika San Paolo fuori le Mura, in der Basilika Santa Maria Maggiore und in der Basilika San Giovanni in Laterano verwendet wurde.

Früher führten mehrere flache Stufen (je nach Quelle zwischen 2 und 5) zum Brunnen hinauf. Heute erkennt man zwei Stufen welche unter dem heutigen Niveau des Platzes liegen.

Das grosse langgestreckte achteckige Becken mit konkaven und konvexen Partien wird von 16 weissen Bändern aus weissem Carrara-Marmor und 16 Löwenköpfen geschmückt.


Wasser floss aus einer auf einem Baluster stehenden runden Brunnenschale in der Mitte des Beckens in dasselbe aber auch aus vier kleinen Pyramiden welche 1830 einer Restaurierung zum Opfer fielen.

Damals wurden auch das zentrale Element durch ein kleineres und schlichteres ersetzt, das wir heute noch sehen.


Die alten Ornamente sind besonders gut auf diesem Stich von Giovanni Battista Falda zu erkennen:


Vor allem wurden damals die je zwei Delphine mit ineinander verschlungenen Schwänzen und in offenen Muschelschalen dargestellt an den Schmalseiten des Brunnens hinzugefügt.


Nach 1750 waren Marktstände auf dem Platz und in Brunnennähe erlaubt. Hier einige Bilder von Wassermelonenverkäufern auf denen man auch schön die heute nicht mehr vorhandenen kleinen wasserspeienden Pyramiden und die Original-Brunnenschale erkennt:




Heute laden die verkehsreiche Lage, die grauen Granitsäulen mit Geländer rund um den Brunnen und die ewigen Absperrgitter leider nicht eben dazu ein, länger an diesem Brunnen della Portas zu verweilen.
 
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