Cartoline da Roma

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Cartoline da Roma
Postkarten aus Rom
Juli 2016


Vom 18. bis zum 24. Juli 2016 haben Claude und ich fünfeinhalb wunderschöne Ferientage im hochsommerlichen Rom verbracht. Impressionen unserer römischen Streifzüge stelle ich in diesem Bericht zusammen. Cartoline da Roma nenne ich ihn, da vor allem Bilder sprechen werden. Vielleicht findet ja auch Claude ab und zu Zeit Ihre Eindrücke parallel zu meinen zu schildern und mit ergänzenden Postkartenmotiven ;) zu illustrieren.

Die einzelnen virtuellen Postkarten, die ich im Verlauf des Berichts an interessierte Leser des Forums "adressiere", sollen Claude und mir auch als Andenken an die gemeinsam verbrachten Tage dienen.

Am Abend des 18. Juli landete ich als letzte von uns beiden in Rom. Voller Vorfreude auf die kommenden Tage feierten Claude und ich das Wiedersehen und schmiedeten einen Plan für den nächsten Tag.

Hier wird nach und nach ein mitwachsendes Inhaltsverzeichnis entstehen:

Trastevere - S. Agata in Trastevere und S. Maria della Scala
Trastevere - Villa Farnesina
Innenhof des Palazzo Venezia
Von Il Gesù zur Piazza della Minerva
Kloster Tre Fontane - Teil 1
Kloster Tre Fontane - Teil 2
Sankt Paul vor den Mauern
Arco di Grottapinta
S. Prassede
Von S. Maria Maggiore bis S. Agata dei Goti

S. Maria Antiqua
Galleria Doria Pamphilj, Roma
Santi XII Apostoli
Garten des Palazzo Colonna
Galleria Colonna und Tagesausklang
Sonntagsspaziergang an die Piazza Navona
 

Simone-Clio

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Trastevere


19. Juli 2016
Unseren Spaziergang Richtung Villa Farnesina traten wir am Largo San Giovanni de Matha an, wo wir uns die Kirche Sant'Agata in Trastevere ansahen. Die zahlreichen Stuckelemente ihrer Rokoko-Fassade von 1710-11 erinnern ein wenig an den Stil Borrominis.

Die Kirche wird seit 1908 von der Bruderschaft mit Namen Archiconfraternita del Santissimo Sacramento e di Maria Santissima del Carmine in Trasrevere betreut. Die Madonna de' Noantri ist in dieser Kirche beheimatet, welche jedes Jahr Ausgangspunkt und Endpunkt der Prozessionen zu ihren Ehren ist. Die diesjährige Festa de'Noantri dauerte vom 16. bis 25. Juli.



Wir setzten uns in eine der Kirchenbänke, hinter ein Mitglied der Bruderschaft und konnten uns die Madonna aus nächster Nähe ansehen. Sie wurde kürzlich restauriert und die Gläubigen darauf hingewiesen, dass die Arbeiten erst am 2. April diesen Jahres abgeschlossen wurden. Einige Gewänder der Madonna waren in Vitrinen ausgestellt, so auch eines, welches ihr von Marie José von Belgien, der letzten italienischen Königin, geschenkt worden ist.

Schön fand ich auch die Kirchendecke mit vielen Engeln und einer Darstellung von Mariä Himmelfahrt:



Links: Altaraufsatz mit einer Darstellung der Heiligen Familie
Mitte und rechts: Hinweise auf die Festa de' Noantri
Wir setzten unseren Weg fort und beschlossen spontan auch der Kirche Santa Maria della Scala an der gleichnamigen Piazza einen Besuch abzustatten. Wir haben es nicht bereut denn ... ;)

In den Petersdom kann jeder gehen. "The winner takes it al", und in diesem Zusammenhang nimmt er alle Touristen. Die wirklich spannenden Kirchen Roms, die mit der nicht glattpolierten Geschichte, mit dem Plunder und dem Versagen an der Kunst, werden gemieden. Das ist schade, denn sie sind zwar nicht schön, aber dafür um so geschichtsträchtiger. Wie Santa Maria della Scala in Trastevere.
Quelle: Der fehlende Caravaggio in Santa Maria della Scala - Stützen der Gesellschaft
Mit dem Bau der Kirche wurde 1593 begonnen, die Fassade wurde allerdings erst 1624 gebaut.

Hier wird ein wundertätiges Madonnenbild verehrt, welches sich früher unter der Treppe ("scala") eines nahen Hauses befand.
In S. Maria della Scala wurde 1678 der bekannte Zeichner, Kupferstecher und Drucker Giovanni Battista Falda beerdigt, dem wir viele Ansichten Roms zu verdanken haben.


Unter der Orgelempore befinden sich zwei hübsche Stuckengel:



Links: Enthauptung des Johannes, ein Werk des Caravaggio-Nachfolgers Gerard van Honthorst (1592 bis 1656), wegen seiner Hell-Dunkel-Malerei auch Gerardo della Notte genannt. Vgl. Gerrit van Honthorst.
Mitte: Marientod von Carlo Saraceni. Es erhielt seinerzeit den Vorrang vor der heute im Louvre befindlichen Fassung des Themas durch Caravaggio.

Bald setzten wir unseren Weg zur nur bis 14 Uhr geöffneten Villa Farnesina fort. Hunger verspürten wir noch lange nicht aber die verschiedenen Pasta-Sorten vor einem Lokal sahen appetitlich aus:

 

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Villa Farnesina


19. Juli 2016

Unser Hauptziel an diesem Morgen war die Villa Farnesina. Für Claude war es ein Erstbesuch, ich habe den prachtvollen, zwischen 1508 und 1511 für Agostino Chigi errichteten und 1534 von Kardinal Alessandro Farnese erworbenen Renaissance-Bau zum ersten Mal Aschermittwoch 2013 besucht und von unserem Gruppenaccount "Tre a Roma" aus berichtet: Römische Zeitenwende

Obwohl schon oft im Forum zu sehen, möchte ich doch erneut einige Bilder aus den verschiedenen Räumen der Villa zeigen.

Loggia der Galatea


Gewölbe mit der Darstellung des Horoskops des Agostino Chigi von Baldassare Peruzzi


Details
Mitte: Venus - Tierkreiszeichen Venus in Steinbock


Links: Polyphem von Sebastiano del Piombo
Rechts: Kopf eines Jünglings von Baldassare Peruzzi (1512)

Die Forscher sind sich heute einig, dass es sich um ein Selbstportrait Peruzzis handelt. Siehe dazu: Villa Farnesina: Renaissance Rome's luxurious setting for gossip | ROME REPORTS

(...) today's scholars are convinced that it is the self-portrait of the villa's architect, Baldassarre Peruzzi. We could consider it the pictorial signature that the architect left in the building he created."


Raffaels Wandfresko der Galatea


Lünetten mit mytologischen Szenen von Sebastiano del Piombo
Links: der Sturz von Phaeton
Rechts: der Mythos von Oreithyia


Weitere astrologische Zeichen

Die Loggia mit Amor und Psyche


Fresken Raffaels und seiner Schüler:
Die Hochzeit von Amor und Psyche
und
Der Rat der Götter

Der genauen Betrachtung wert sind tierische und pflanzliche Details wie u.a. Eisvögel, Fledermäuse, Meisen,


Schwalben, ein kleiner Uhu von weiterem gefiederten Volk umgeben ...




In dieser Girlande erkennt man links eine der frühesten Darstellungen von aus Amerika stammendem Mais!

Blick aus der 1. Etage auf den Garten vor dem Eingangsbereich:


Die Sala delle Prospettive



Die Laibungen der Fenster sind mit den 9 Musen ausgemalt. Mein Buch über die Villa Farnesina hatte ich zwar nicht dabei, aber ich hatte mir eingeprägt, dass diejenige ganz links die Muse Clio :idea: ist. Auf meinen Bildern erkennt man "meine Freundin Clio" ;) in der Mitte und rechts.

Auch die Götterbilder von Baldassare Peruzzi über den Türen und Fenstern gefielen mir gut, wie bereits beim ersten Besuch:


Ceres, Diana, Minerva


Juno, Apoll, Venus


Saturn, Jupiter, Neptun


Mars und Merkur

Es folgen verschiedene Stadtansichten, ebenfalls von Baldassare Peruzzi. Man erkennt sie in den gemalten Ausblicken, die durch die Kolonnaden des Saals zu sehen sind: Man erkennt die Torre delle Milizie, die Fassade von SS. Apostoli, das Hospital S. Spirito in Sassia, die Casa della Fornarina und die Porta Settimiana:






Den Fresken ähnelnde Blicke aus der 1. Etage:



Nur 2 Aufnahmen aus dem Saal der Hochzeit Alexanders des Großen mit Roxane:


Vergangene Woche habe ich die Lektüre des hier im Forum von Bixio empfohlenen historischen Romans "Die Schwestern der Venus" von Frederik Berger beendet und werde bei einem erneuten Besuch der Villa Farnesina diese wiederum mit anderen Augen sehen.

Falls du mit historischen Romanen etwas anfangen kannst, empfehle ich dir von Frederik Berger "Die Schwestern der Venus". Das klingt als ob es ein fürchterlicher Schmalzfilm von Sat1 wäre. Es ist aber ein ausgezeichnet recherchiertes Buch über Agostino Chigi, den Auftraggeber der Villa, seine Beziehungen und zu einem großen Teil auch über die Entstehungsgeschichte der Farnesina.
Dazu funktioniert das Buch auch noch auf der unterhaltsamen Ebene, wenn man mit der Historie nicht so viel am Hut hat.
Den zum Tiber hin gelegenen Teil des Gartens kann man leider nicht betreten. Uns blieb nur ein sehnsüchtiger Blick u.a. auf die Tafel mit den Namen der dort wachsenden Zitrusfrüchte.



Diese Riesenexemplare habe ich mit dem Zoom herangeholt



Als wir die Farnesina wieder verliessen, war es sehr warm geworden und durstig legten wir mit Rufus ;) eine lange, angenehme Pause an der Piazza di S. Maria in Trastevere ein:




 
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Cortile des Palazzo Venezia
oder
Un giardino ritrovato



19. Juli 2016

Von Trastevere aus fuhren wir mit der Tram zur Piazza Venezia, erfrischten uns am schönen Pinienbrunnen von Pietro Lombardi, blickten Richtung Trajanssäule und stellten vor allem erfreut fest, dass die Schranke vor dem Eingang zum Innenhof des Palazzo Venezia an der Piazza di S. Marco verschwunden und Publikum im Cortile willkommen ist. 8)


Bis vor kurzem diente der Innenhof als Parkplatz für die Angestellten der hier beheimateten Institute (z.B. die Bibliothek für Archäologie und Kunstgeschichte und der Polo Museale del Lazio) und war dem Publikum verschlossen. Am 29. Dezember 2009 habe ich im Palazzo Venezia eine Gemäldeausstellung besucht. Da ich damals nicht wusste, dass sich der Haupteingang zum Museo di Palazzo Venezia an der Via del Plebiscito befindet, stand ich vor der geschlossenen Schranke an der Piazza di San Marco. Es regnete in Strömen und ein hilfsbereiter Angestellter nahm mich entschlossen mit über den Hof zum damals einzigen offiziellen Eingang. Von der Loggia der 1. Etage aus habe ich damals folgende Bilder gemacht:

Wunderschön war auch der Blick von der Loggia in den Innenhof mit einer Allegorie von Venedig:​



Seit Juni 2016 steht der Cortile nun tagsüber Einheimischen und Touristen offen. Es gibt drei Ein- und Ausgänge, an der Via del Plebiscito, an der Via degli Astalli und an der Piazza di San Marco neben der sprechenden Statue der Madama Lucrezia.

Die Öffnung ist Teil eines mit 5,4 Millionen Euro geförderten Plans um den Palazzo Venezia attraktiver für ein zahlreicheres Publikum zu machen. Nächstes Jahr soll auch ein Café mit Blick auf den Garten des Cortile eingerichtet werden und in Zukunft sollen Interessierte Mussolinis Bunker besichtigen können. Quelle: A Palazzo Venezia il giardino delle arti invito in musica nel cortile liberato - la Repubblica.it

Zwischen dem 20. Juni und dem 16. September 2016 fanden auf einer Bühne im Innenhof, abendliche Veranstaltungen (Vorträge, Konzerte ...) statt. Alles zum diesjährigen Programm findet man auf dieser Webseite: Il giardino ritrovato | arte musica e spettacoli | Palazzo Venezia - Home

Mit dem Bau des Palazzo Venezia, damals noch Palazzo di San Marco, wurde 1455 begonnen, als der venezianische Kardinal Pietro Barbo Titularkardinal der Kirche San Marco wurde. 1464 wurde er als Paul II. Papst und begann gemeinsam mit seinem Neffen Marco Barbo, welcher sein Nachfolger als Titularkardinal von S. Marco wurde mit der Vergrößerung des Palazzo. Seine Absicht war es, die päpstliche Residenz hierher zu verlegen. 1470 kehrte Paul II. allerdings in den Vatikan zurück und überließ seinem Neffen den Palazzo Venezia.

1564 wurde der gesamte Palazzo von Papst Pius IV. Medici an die Seerepublik Venedig verkauft und von dieser als Botschaft im damaligen Kirchenstaat genutzt. Von diesem Moment an kennt man ihn als Palazzo Venezia. 1797 fiel er an Österreich, seit 1916 ist er im Besitz des italienischen Staates. In faschistischer Zeit machte Mussolini den Palazzo Venezia zu seinem Generalquartier.

Es folgen Bilder unseres erholsamen Aufenthalts in dieser grünen Oase, nah und zugleich fern dem Getümmel der Piazza Venezia:


In der nordöstlichen Ecke des Innenhofs befinden sich zweigeschossige Arkaden. Insgesamt handelt es sich um 10 Bögen. Der Renaissance-Portikus lag vor den Papstgemächern aus dem 15. Jh. und blieb unvollendet. Ob das Absicht war, oder ob ursprünglich geplant war, den gesamten Innenhof mit Arkaden zu umgeben, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Auf der Seite des Museo Nazionale del Palazzo di Venezia liest man:

Del portico a due livelli, di chiara derivazione classica, con evidenti rimandi al Colosseo e al Teatro di Marcello, vennero costruite solamente dieci arcate sul lato nord-orientale, quello corrispondente al grande appartamento papale. (...) Alla morte del pontefice, sopravvenuta nel 1471, i lavori, che forse prevedevano la chiusura di tutto il cortile con il loggiato, vennero interrotti, come dimostra l’ultima arcata morta sulla sinistra del prospetto frontale.
"Forse", also "vielleicht" sollten alle vier Seiten des Cortile mit Arkaden versehen werden.

Quelle: File di testo - Museo Nazionale del Palazzo di Venezia - Sito ufficiale 5. Loggia

Wir betraten den Innenhof, wie gesagt, von der Piazza di San Marco aus. Nach wenigen Schritten fiel uns der Campanile von S. Marco auf. Ein einfacher Brunnen mit schönem Löwenkopf führte leider kein Wasser.



Auf den neuen Bänken im Cortile liest man folgenden Schriftzug:


Eine spanische Firma namens Benito :eek: :D hat die Bänke geliefert. Und das an einem Ort, bei dem viele an Benito Mussolini denken ... :~


In der Mitte des Innenhofs befindet sich von sehr hohen Palmen umgeben ein imposanter Brunnen aus dem 18. Jh. Er wurde 1729-30 von Carlo Monaldi errichtet. Auftraggeber war der venezianische Botschafter Borbon Morosini. Dargestellt ist die symbolische Vermählung Venedigs mit dem Meer (Sposalizio di Venezia con il mare). Siehe dazu auch Festa della Sensa:

Die Festa della Sensa oder Festa dell'Ascensione war eine staatliche Feier der Republik Venedig, die (...) im deutschen Sprachraum schon im 16. Jahrhundert als Vermählung des Dogen mit dem Meer bekannt wurde, eine Bezeichnung, die noch heute in Gebrauch ist.
Dabei wirft der Doge einen goldenen, gesegneten Ring in das Meer, um die Verehelichung Venedigs mit dem Meer und die Oberherrschaft Venedigs über die Adria symbolisch einzugehen.

Die Hauptfigur des Brunnens, eine Allegorie Venedigs, trägt die Dogenmütze und schickt sich an, den Ring ins Wasser zu werfen:​



Sie steht auf einer von drei kräftigen Tritonen getragenen Muschel und ist umgeben vom geflügelten Markuslöwen mit geöffnetem Evangelium und einem Putto mit einer Schriftrolle welche in lateinischer Sprache darauf hinweist, dass der Brunnen der Generosität der Päpste Alessandro VIII Ottobuoni und Benedetto XIII Orsini. zu verdanken ist, welche eine Abzweigung der Acqua Vergine vom Trevi-Brunnen hierher bauen liessen.




Vier weitere Putten befinden sich rings um den Brunnen. Sie halten Wappen bedeutender ehemaliger Besitzungen Venedigs (Zypern, Dalmatien, Morea und Kreta) während sich im Brunnen steinerne Tritonenkinder und wasserspeiende Fische tummeln:



Hier noch ein paar Bilder welche die Bühne und das Programm der nunmehr abgeschlossenen Kulturveranstaltung Il Giardino Ritrovato der Saison 2016 zeigen:



Der Cortile ist sehr grün und bietet viel Schatten in erholsamer Atmosphäre. Es bietet sich u.a. ein schöner Blick auf die nahe Kuppel von Il Gesù. Rings um den etwas tiefergelegenen Brunnen befinden sich Buchsbaumhecken. Sie waren die ersten Pflanzen im Cortile. Ein Kreis hoher Palmen umstehen den Brunnen mit dem ovalen Becken. Es gibt verschiedene Palmenarten im Garten. Gelesen habe ich auch von einer in österreichischer Zeit gepflanzten Magnolie (Magnolia grandiflora) aus dem Süden der Vereinigten Staaten sowie einer weißen Rose Alba Plena. Um diese während der Blütezeit zu erleben, muss man zu einer anderen Jahreszeit kommen.


Wir verliessen den Cortile des Palazzo Venezia durch den Ausgang Richtung Via degli Astalli:


Zum Schluss noch ein erstaunliches historisches Foto aus dem Cortile:

Roma Sparita - Palazzo Venezia

Es zeigt tatsächlich die vier Original-Bronzepferde der Basilika San Marco in Venedig. Sie wurden im 1. Weltkrieg zum Schutz vor Bombardierungen hierher gebracht und kehrten im April 1919 nach Venedig zurück.

 
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Von Il Gesù zur Piazza della Minerva


19. Juli 2016
Nach dem Besuch des "Giardino ritrovato" des Palazzo Venezia, gingen wir zur nahegelegenen Kirche Il Gesù, der Mutterkirche des Jesuitenordens. Wir waren ein wenig zu früh vor der nachmittäglichen Öffnung dort und so spazierten wir noch weiter Richtung Largo Argentina. Durch ein offenstehendes Tor spähten wir in diesen kleinen Innenhof mit Brunnen:




Aus der Entfernung erkennt man auch die Kuppel, die sich auf einem achtseitigen Tambour erhebt. Über dem Hauptportal, das von den griechischen Anfangsbuchstaben für den Namen Jesu abgeleitete Marmorwappen IHS der Jesuiten.



Die Fassade von Il Gesù interessierte mich besonders da sie ein Werk Giacomo della Portas ist:

Wikipedia schrieb:
Giacomo della Porta, der als Nachfolger Vignolas den Bau vollendete, schuf die von einem Dreiecksgiebel gekrönte Fassade, die sich durch zur Mitte hin zunehmende Plastizität der Gliederungselemente auszeichnet und insofern wegweisend für die Entwicklung der barocken Kirchenfassade wurde. Das fünfachsige Untergeschoss ist mit korinthischen, das schmalere Obergeschoss mit kompositen Pilasterpaaren gegliedert. Mächtige Voluten verdecken die Dachzone der Seitenkapellen des Langhauses. Eine verdoppelte Ädikula umrahmt und betont das Hauptportal der Kirche.

Auf dem Vorplatz stehend musste ich an folgende u.a. von Stendhal erzählte Geschichte dieses Ortes denken, die bereits einmal Thema hier im Forum war. Siehe: Decentius in pacem - Seite 2

Aufgrund der Höhe des Kapitols und der Anordnung der Strassenzüge, herrscht in der Nähe der Kirche der Jesuiten immer relativ viel Wind.
Eines Tages, so erzählt sich das Volk, ging der Teufel mit dem Wind in Rom spazieren. Als sie zur Kirche Il Gesù kamen, sagte der Teufel zum Wind: "Ich habe drinnen etwas zu tun, warten Sie hier auf mich." Der Teufel kam nie wieder heraus und der Wind wartet immer noch am Kirchenportal auf ihn.

Stendhal will uns wahrscheinlich zu verstehen geben, dass die Jesuiten den Teufel bekehrt haben und er deshalb nicht mehr herauskonnte! ;)
An dem herrlichen Sommertag, als Claude und ich uns dort aufhielten, war der wartende Wind ;) wohl gerade eingeschlafen.

Als Dank dafür, dass ich mit dieser Legende eine Frage unseres Nutzers SPQR beantwortet habe, hat sich dieser 2011 mit einem Foto der in Il Gesù verehrten Madonna della Strada bedankt.


Madonna della Strada
Nun freute ich mich besonders darauf diese in ihrer Kapelle mit eigenen Augen zu sehen.


Als wir zur Kirche zurückkehrten, wurde gerade das linke Seitenportal geöffnet und wir traten ein.

Der riesige Kirchenraum war (und ist) sicherlich ausgezeichnet dazu geeignet, die Liturgie der Messe und großangelegte Predigten wie ein geistliches Schauspiel wirken zu lassen. Ich liess vor allem den barocken Illusionismus der Darstellung in der Langhauswölbung auf mich wirken und habe mich erst später mit den Themen der Fresken befasst.

Im Tonnengewölbe des Langhauses hat Giovanni Battista Gaulli den Triumph des Namens Jesu dargestellt. Einige berühmte Gestalten aus der Bibel und der Geschichte, wie die Königin von Saba, die Heilige Helena, Karl der Große, S. Francesca Romana, S. Caterina da Siena ... bevölkern die leidenschaftlich bewegten Fresken. Darauf will ich nächstes Mal genauer achten. Gute Darstellungen und Infos auf der Webseite von Il Gesù. Siehe: Schede Iconografiche | Sito ufficiale della Chiesa del Gesù - Roma insbesondere die PDF-Dokumente wie z.B. dieses.




Die aussen achteckig erscheinende Kuppel ist im Inneren kreisrund, ebenfalls von Gaulli mit einer Verherrlichung Christi im Paradies ausgemalt.





In der Apsiswölbung erkennt man unter musizierenden Engeln die Anbetung des Lammes.




Mitte: Altarbild

Bernini-Freunde dürfen sich in Il Gesù an der Porträt-Büste des Kardinals und Heiligen Roberto Bellarmino, geschaffen 1622 bis 1624 vom jungen Gian Lorenzo Bernini (1598 bis 1680) erfreuen:



Die Büste war ursprünglich Teil des Grabmals des Kardinals. So sah es aus bevor es 1841 entfernt wurde und die Büste im Altarraum links über einer Tür angebracht wurde. Sie ist umgeben von Darstellungen der Allegorien des Glaubens und der Religion. Quelle
Da man den Altarraum nicht betreten kann, ist mein Foto aus der Entfernung gemacht und nicht besonders scharf.

Die drei folgenden Aufnahmen habe ich in der Cappella della Passione gemacht. Das Gemälde hat mich angezogen aber mehr darüber erfahren habe ich erst zu Hause.



Die zeitgenössische Kreuzabnahme hängt dort erst seit September 2014 und ist das Werk des in Venedig tätigen Künstlers Safet Zec (1943 in Bosnien geboren). Es handelt sich um eine Auftragsarbeit zum 200. Jubiläum der Wiedererrichtung des Jesuitenordens durch Pius VII. am 7.8.1814. Das neue Altarbild wurde am 27.9.2014 von Papst Franziskus gesegnet.


Einen lesenswerten Aufsatz von Daniele Libanori, S.J. über das Werk findet der interessierte Leser unter diesem Link (Seite 73 bis 77). Ihm entnehme ich, dass zu Füssen Jesu Pater Pedro Arrupe, der Generalobere der Gesellschaft Jesu gleich nach dem II. Vatikanischen Konzil dargestellt ist. Im mittleren Teil des Bildes ist neben Maria Pater Joannes Philippus Roothaan abgebildet. Er wurde 1829 zum 21. General der Gesellschaft Jesu gewählt. Ganz oben, neben dem Kopf Jesu, erkennt man das Gesicht des Hl. Joseph Pignatelli, dem Vorreiter der Wiederherstellung des Jesuitenordens.

Die folgenden Bilder führen links des Chores in die reich ausgestattete Cappella della Madonna della strada oder degli Astalli, an der Stelle der Vorgängerkirche. Die Madonna ist die Patronin der Gesellschaft Jesu. Das Gnadenbild wurde 2006 restauriert und in seinen Originalzustand versetzt.





Im linken Arm des Querschiffs befindet sich die Cappella di Sant'Ignazio mit dem von Andrea Pozzo und seinen Mitarbeitern ab 1694 errichtete Altar mit dem Grab des heiligen Ignatius. Wie der Forista SPQR seinerzeit berichtet hat, hat Roms Jesuitenkirche 2008 eine spektakuläre Technik wieder in Betrieb genommen:

Rom ist um eine Sehenswürdigkeit reicher: Die Jesuitenkirche "Il Gesù" zeigt eine Attraktion, die im wahrsten Sinne des Wortes Jahrzehnte in der Versenkung verschwunden war. Allabendlich gleitet wie von Geisterhand bewegt das monumentale Gemälde über dem Grabaltar des hl. Ignatius von Loyola (1491-1556) hinab und verschwindet aus dem Sichtfeld. In der Nische hinter dem Bild wird die große Silberstatue des Ordensgründers sichtbar.
Das barocke Schauspiel ist nun für jedermann zu sehen - jeden Tag um 17:30 Uhr.



Ein Weilchen vor unserer Romreise hat hier im Forum ein Nutzer berichtet, der Mechanismus sei bei seinem Besuch von Il Gesù defekt gewesen. Inzwischen funktioniert er wieder, allerdings waren wir zu früh dort um das Spektakel mitzuerleben. So verweise ich hier mit schönstem Dank auf die Fotoserie von SPQR:


Von Il Gesù gingen wir weiter Richtung Piazza della Minerva und besuchten unterwegs eine, nach der Pracht der Jesuitenkirche, ganz bescheidene kleine Kirche,

San Giovanni della Pigna





an der Piazza della Pigna.






Foto von 2008

Drei Mitglieder der Adelsfamilie Porcari wurden in der Kirche beerdigt und die interessanten Grabsteine gerettet, als die alte, erstmalig im 10. Jh. erwähnte Kirche abgerissen und 1624 neu errichtet wurde. Das bekannteste Familienmitglied, Stefano Porcari, wurde 1453 auf Befehl von Papst Nikolaus V. hingerichtet weil er an einem Aufstandsversuch gegen den Papst beteiligt war.



Erst vor ein paar Tagen habe ich mich daran erinnert, woher mir der Name Porcari ein Begriff war, bevor ich diese Grabsteine sah. Die 1512 verstorbene Marta Porcari war es, die sich eine Statue des auferstandenen Christus für ihr Grab in S. Maria sopra Minerva wünschte. Ihr Neffe Metello Vari gab eine solche Statue bei Michelangelo in Auftrag. Sie befindet sich heute in Bassano Romano. Ihre Geschichte habe ich in dem Berichtsteil Odyssee einer Statue meines Reiseberichts "Rom für Anfänger und Fortgeschrittene" beschrieben.

Wenige Schritte von der Kirche entfernt, im Vicolo delle Ceste, befindet ich das ehemalige Wohnhaus der Porcari, die ein Schwein im Wappen führen.


Wir erreichten die Piazza della Minerva und der Anblick des Geschäftes der Familie Gammarelli erinnerte mich an die Nachricht vom Tod des Familienoberhaupts wenige Tage zuvor: Rom: A. Gammarelli, der "Schneider der Päpste" ist tot



Im Schaufenster des benachbarten Antiquitätenhändlers war ein Exemplar von Giambattista Nollis Rom-Stadtplan von 1748 ausgestellt, dessen Detailgenauigkeit uns faszinierte:



Das Tor zum Chiostro della Minerva stand offen aber mehr als einen kurzen Blick über ein geschlossenes Gitter hinweg konnten wir nicht erhaschen:




 

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Abbazia delle Tre Fontane


20. Juli 2016

Durch das Torhaus (auf dem nächsten Foto) betritt man die Abtei von Tre Fontane. Sie liegt im Südosten Roms vor den Toren der antiken Stadtgrenze.

Tre Fontane wird seit dem 5. Jh. als der Ort verehrt, an dem Paulus (wahrscheinlich im Jahr 67 und in der Nähe eines großen Pinienbaumes) enthauptet wurde. 604 verlieh Papst Gregor der Große das Gelände der Basilika S. Paolo fuori le mura weil sie als Begräbnisort des Paulus diesem ebenfalls verbunden war. Im 7. Jh. kamen orientalische Mönche aus Kilikien, der Heimat von Paulus, an diesen Ort. Sie errichten wahrscheinlich kurz vor 649 das Kloster S. Anastasius. Sie brachten Reliquien des 628 in Persien hingerichteten Märtyrers und Heiligen aus Byzanz mit.

Wikipedia schrieb:
Seine Reliquien wurden zunächst in das Sergios Kloster von Bethsaloe gebracht. Der Tradition gemäß soll sein Leib durch Honorius I. nach Konstantinopel überführt und laut Beda Venerabilis dann nach Rom gelangt sein, wo sich die Gebeine in der Kirche S. Vinzenzo ed Anastasio, im römischen Viertel Fontana di Salvio befinden. Das Haupt verbrachte Kaiser Heinrich III. 1047 von Rom in den Speyerer Dom. Nach dessen Plünderung, Ende des 18. Jahrhunderts, kam es ins Kloster Lichtenthal. Von dort holte es Bischof Nikolaus von Weis 1851 nach Speyer zurück, wo es heute in der Katharinenkapelle des Domes aufbewahrt wird
Vom 9. bis zum 11. Jh. behielt das Kloster seinen orientalischen Charakter. Zahlreiche päpstliche Schenkungen bezeugen seinen hohen Rang. Gegen Ende des 11. Jahrhunderts verwaiste es allerdings. 1081 wurde es an das Kloster S. Paolo fuori le mura angeschlossen und lateinische Mönche bezogen es.

Die Geschichte von Tre Fontane als Zisterzienser-Abtei geht auf das Jahr 1140 zurück, als Papst Innozenz II. hier ein Kloster gründen liess, die 34. Tochterabtei von Kloster Clairvaux in Frankreich. Der Papst verlieh dem Kloster Häuser, Felder und Weinberge und beantragte bei Bernhard von Clairvaux eine Gemeinschaft von 12 Mönchen. Die erste Gruppe von Mönchen wurde von Farfa nach Rom versetzt. Erster Zisterzienser-Abt von Tre Fontane war Pietro Bernardo Paganelli, der von 1145 bis 1153 als Papst Eugen III. regierte.

1812 wurde das Kloster aufgelassen aber seit 1868 bewohnen Trappisten, Zisterzienser von der strengen Observanz, den Konvent. Papst Pius IX. hat ihnen das Kloster abgetreten. Die ersten Trappisten in Tre Fontane hatten ein hohes Risiko an Malaria zu erkranken denn es handelte sich um ein sumpfiges Gebiet und einen damit recht ungesunden Ort.

Zur Eindämmung der Malaria pflanzten die Trappisten Tausende Eukalyptusbäume an. Der Samen stammte vor allem aus Melbourne in Australien. Die Bäume brauchen für ihr Wachstum enorme Wassermengen. Die Trappisten stellen heute u.a. Eukalyptus-Likör her und aromatisieren mit dem Eukalyptus einen Teil des von ihnen gebrauten Bieres.

Tre Fontane liegt an der Via di Acquae Salviae, einer Abzweigung der Via Laurentina. Acquae Salviae, salvinische Wasser, wurde der Ort bereits im Altertum genannt. Es existieren zwei mögliche Erklärungen für das Toponym: Aquae Salviae könnte sich von den zahlreichen, gutes Wasser spendenden Quellen, die dort entsprangen, ableiten. Salvius war aber auch der Name einer römischen Adelsfamilie, zu deren Besitz der Ort im Altertum gehörte. Berühmtester Vertreter der gens Salvia war Otho, einer der Kaiser des Vierkaiserjahres.

Lange schon hatte ich den Wunsch Tre Fontane kennenzulernen, nun war es soweit. Claude und ich sind mit dem Taxi nach Tre Fontane gefahren und der Fahrer brachte uns bis zum Vorplatz mit der Wehrpforte, dem Arco di Carlo Magno. Wir hatten das Glück in einem ruhigen Moment zu kommen und bis auf eine kleine italienische Pilgergruppe und eine grössere asiatische Gruppe (die in kürzester Zeit wieder verschwunden war) waren sehr wenig Besucher anwesend. So verbrachten wir einen unvergesslich schönen Morgen in dieser Oase der Ruhe.

Arco di Carlo Magno - Bogen Karls des Großen


Der Arco di Carlo Magno, eine auf das Mittelalter zurückgehende Wehrpforte, ist das Überbleibsel einer Mauer die früher den ganzen Klosterkomplex umgab. Über dem Eingang zur Abtei befindet sich seit dem Ende des 2. Weltkrieges, ein modernes Relief der Muttergottes mit dem Jesuskind und der Aufschrift "Emanuel" (Gott mit uns). Sie wurde den Trappisten von römischen Juden geschenkt, die dank des Einsatzes der Klosterbrüder die Verfolgung überlebt haben.


Daneben ließen die Mönche eine Gedenktafel anbringen, die ihnen von den jüdischen Familien Sonnino und Di Porto geschenkt wurde. Der Text lautet: "J. Sonnino e A.S.A. Di Porto persecutionem nazistam in iudeos dire saevientem fugientes hic deipara favente sospites beneficii memores posuere A.D. MXMXLVI" (d.h.: "J. Sonnino und A., S. und A. Di Porto, auf der Flucht vor der Judenverfolgung durch die Nazis, wurden durch die Hilfe der Muttergottes an diesem Ort gerettet. Dankbar für diese Gnade setzten sie diese Tafel im Jahr 1946").​


Mehr zu diesem Aspekt der Geschichte von Tre Fontane und dem Einsatz von Prior Erhard in dem sehr lesenswerten Artikel von Antonio Gasapari vom 28.1.2013 Der deutsche Trappist, der die Juden im Kloster Tre Fontane rettete

Diese Fakten waren mir durch die Lektüre des Artikels bei Erscheinen bekannt, als wir nach Tre Fontane kamen. Hingegen erst nach der Rückkehr von dieser Romreise, habe ich mich näher über die im folgenden Berichtsteil geschilderten Fresken des Arco di Carlo Magno informiert. Zum Glück habe ich im Juli genügend Fotos gemacht, um die Beschreibung illustrieren zu können.


Fußboden des Torhauses

An der Decke und drei Wänden des Torhauses befinden sich schöne und interessante Reste von Fresken aus dem 12. und 13. Jh.

In der Mitte der Decke war früher in einem Clipeus eine segnende Christusbüste zu erkennen. Vom Clipeus gingen kreuzförmig vier Arme aus, in denen je ein Engel dargestellt war. In den Ecken waren die vier Evangelistensymbole angeordnet. Deren Reste werden von wunderschönen teils in Kreisen und Rauten angeordneten Pflanzen- Tier-, vor allem Vogelmotiven eingerahmt.


Gesamteindruck der Decke

Um 1630 muss sie noch wesentlich besser erhalten gewesen sein denn in der Vatikanischen Bibliothek befinden sich aquarellierte Zeichnungen von Antonio Eclissi, die bis auf das Antlitz Christi und den vierten Engel alle Einzelheiten zeigen.


Stier und Löwe der Evangelisten Lukas und Markus





3 der ursprünglich 4 Engel



Vogelmotive

Besonders interessant sind die Motive der Fresken in den beiden seitlichen Lünetten.

Es handelt sich um Episoden von der Schenkung von Besitztümern in der Maremma durch Kaiser Karl den Großen an das Kloster von Tre Fontane im Jahr 805. Diese, in den Bereich der Legende gehörende Schenkung, soll im Anschluss an den Sieg Kaiser Karls des Großen und Papst Leos III. über Muslime in der südlichen Toskana stattgefunden haben. Die Entscheidung in diesem Feldzug fiel, der Legende zufolge, in der Schlacht von Ansedonia. In der Nacht vor der entscheidenden Schlacht träumten sowohl der Kaiser als auch Papst Leo III. den gleichen Traum: Ein Engel riet ihnen die Reliquien des Hl. Anastasius aus dem Kloster Tre Fontane vor das von den Muslimen beherrschte und von den Franken belagerte Ansedonia bringen zu lassen. So geschah es und während Papst Leo III. das Haupt des Märtyrers in einer Prozession rund um die Mauern von Ansedonia trug, erschütterte ein plötzliches Erdbeben den Ort. Die Stadtmauern stürzten ein und die Muslime wurden besiegt.

In dankbarer Demut überließ Karl der Große die Stadt und weiteren Besitz in der Toskana dem Papst, der die Orte seinerseits dem Kloster von Tre Fontane überließ. Während des 12. und 13. Jahrhunderts legitimierten die Zisterzienser so ihren Landbesitz in der südlichen Toskana.

Kommen wir nun zu den Fresken selbst:

Nördliche Lünette


Das Fresko gliedert sich in 2 Register. Das obere Register stellte die vergebliche Belagerung Ansedonias durch die Truppen Karls des Großen vom Meer her dar. Dieser Teil des Freskos existiert nicht mehr aber rechts oben erkennt man noch Zelte des Lagers welches Kaiser und Papst beherbergte.

Im unteren Register erkennt man links (mein Foto ist leider unscharf aber zumindest fiel mir das Besondere dieser Szene auf) den Traum Kaiser Karls des Großen, den ein Engel umarmt! Ein Heiliger in Mönchskutte, wahrscheinlich der Hl. Anastasius, sah zu, ist aber nicht mehr zu erkennen. Symetrisch dazu befand sich früher rechts die Szene mit Papst und Engel. Auch hier erkennt man nur noch das Zeltlager und einige Mönche.


Südliche Lünette


Hier gibt es drei Register. Die erste Szene im obersten Register war allerdings schon im 17. Jh., als Eclissi seine Aquarelle der Fresken anfertigte, zerstört. Die 2. Szene zeigt einen Mönch, der das Reliquiar mit dem Haupt des Hl. Anastasius den kaiserlichen Gesandten übergibt. Die folgenden Szenen hatten mit Sicherheit die Reise und die Ankunft des Reliquiars im Zeltlager von Kaiser und Papst, wo sich die Soldaten zum Gebet versammelt hatten, zum Thema.

Im mittleren Register erkennt man links noch den unteren Teil der Darstellung des Papstes. In seinen verhüllten Händen hält er das Reliquiar während Karl der Große zu Pferd eine Attacke gegen Ansedonia reitet. Auch von der Meerseite her greifen kaiserlich-päpstliche Truppen an:


Dank des wundersamen Eingreifens des Hl. Anastasius wird der Feind besiegt. Links vom Boot mit den beiden Soldaten erkennt man die beschriftete Darstellung der toskanischen Insel Giglio westlich der Halbinsel Monte Argentario. Rechts in diesem mittleren Register schließlich die Schenkung der eroberten Gebiete. Zwei Gruppen von Personen umstehen einen Altar. Links Papst und Kaiser mit Gefolge, rechts Abt, Mönche und Laienbrüder von Tre Fontane. Sie halten eine Tafel auf der die Schenkungen verzeichnet sind, darunter Ansedonia und weitere Burgen in der Maremma.

Diese sind minutiös im unteren Register dargestellt und namentlich genannt. Ausgezeichnet erhalten ist z.B. die Darstellung des Monte Argentario mit der Burg Rocca Argentaria bei Orbetello. (Siehe oben).

Interessant ist, dass die geschilderten Ereignisse sich im 9. Jh. zugetragen haben müssten, die abgebildeten Mönche allerdings die weißen Kutten der Zisterzienser tragen, welche erst 1140 nach Tre Fontane kamen! :idea: Ein Zeichen dafür, dass sie es waren, die einerseits ihre Ansprüche auf Besitz in der Toskana rechtfertigen wollten, andererseits einen Beweis für die Macht der Reliquie des Hl. Anastasius liefern wollten.

Östliche Lünette

Die östliche Lünette, auf die man beim Betreten des Klostergeländes zugeht, zeigte früher eine thronende Madonna mit Kind umgeben von je zwei Heiligen und je einem knienden Zisterziensermönch.


Bei den Heiligen links handelt es sich um den Heiligen Benedikt von Nursia, der die Benediktinerregel mit sich trägt sowie um Paulus mit dem Schwert, einer Anspielung auf sein Martyrium. Rechts der Madonna erkennt man (besser erhalten) den Hl. Bernhard von Clairvaux sowie den Hl. Anastasius in weißer Kutte.

Il giardino

Am Ausgang des Torhauses bietet sich dieser wunderschöne Blick auf den sogenannten giardino von Tre Fontane, die große Abteikirche mit vorgelagertem Portikus und ein Nebengebäude, in dem sich auch der Klosterladen befindet, dem wir später einen Besuch abstatteten:


Im giardino befinden sich zwei Marienstatuen. Beide sind modern. Eine steht auf einer Säule, die andere, in der Mitte eines runden Brunnenbeckens.


Links: Blick zurück zum Torhaus

Rechts an der Mariensäule vorbei führt der Weg weiter zur barocken Rundkirche S. Maria Scala Coeli:​


Im giardino findet man viele antike und mittelalterliche Überreste. Teils sind Beete mit ihnen eingefasst, teils hat man sie zu einem Brunnen zusammengefügt. Wir haben zwar von dem Quellwasser, das ihn speist getrunken aber ich habe kein Foto dieses Brunnens. Er besteht aus einem kleinen Sarkophag und einer Inschrift. An der Wand des Gebäudes links von der Abteikirche sind folgende Fragmente angebracht:


Links und rechts:
Teil einer hochmittelalterlichen Chorschranke
Mitte und unten:
Marmorfragment aus römischer Zeit. Es stellt einen Philosophen oder Paulus dar


Der 2. Teilbericht über Tre Fontane wird hauptsächlich von den drei Kirche auf dem Abteigelände handeln und ist bereits in Arbeit.
 
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Abbazia delle Tre Fontane - Teil 2

Klosterkirche Santi Vincenzo e Anastasio

Sie ist die größte der drei Kirchen auf dem Klostergelände. Geweiht war sie ursprünglich einzig dem Hl. Anastasius. 1370 kamen Reliquien des spanischen Märtyrers Vinzenz von Valencia nach Tre Fontane. Seither ist sie beiden Heiligen geweiht. Gedenktag beider ist der 22. Januar.

Vier Granitsäulen tragen den Portikus der Kirche. Die hohen Säulenbasen stammen aus der Zeit um 1870, als das Areal vor der Kirche tiefergelegt wurde.


Der Vorgängerbau der heutigen aus Ziegelsteinen errichteten Klosterkirche wurde 625 von Papst Honorius I. gegründet.


Eine Inschrift in lateinischer Sprache auf dem Architrav des Narthex bezieht sich auf die Restaurierung des Klosters durch Papst Innozenz II. im Jahr 1140. Anschliessend an die Restaurierung übergab er das Kloster an einen Abt und eine Gemeinschaft von zwölf Zisterziensermönchen, die er bei Bernhard von Clairvaux beantragt hatte.


Über der Inschrift erkennt man runde Vertiefungen, in denen sich früher bunte Keramikschalen, wie man sie an anderen Kirchen und Glockentürmen in Rom findet, angebracht waren.

Der vor allem aus Ziegelsteinen bestehende Bau wurde am Beginn des 12. Jahrhunderts errichtet. Seine Gestalt leitet sich zwar von der burgundischen Ordensbaukunst ab, es finden sich aber auch Einflüsse von Seiten der lokalen Architektur. An den Typus der römischen Basilika erinnern z.B. die gerade Holzdecke und drei verschiedene Mauerwerkstechniken, wie sie im mittelalterlichen Rom im Gebrauch waren.

In unserer Zeit wurde SS. Vincenzo e Anastasio in den 1990er Jahren restauriert. U.a. wurde das Dach erneuert und neue Terrakotta-Bodenfliesen verlegt.

Wir traten ein und mussten zunächst ein Weilchen stehen bleiben, bis sich die Augen an die herrschende Dunkelheit gewöhnt hatten. Ausser uns befand sich im riesigen Mittelschiff eine einzige Person.




Verschiedene Kirchenfenster

Besonders interessant fand ich die Fresken an den quadratischen Pfeilern des Mittelschiffs. Sie sind nicht mittelalterlich, sondern wurden erst im 16. Jh. von einem unbekannten Maler angebracht. Abgebildet sind 12 Apostel. Ich habe sie nicht alle fotografiert, teils weil der Altarraum durch ein Gitter vom übrigen Kirchenschiff abgetrennt ist. Neben den Aposteldarstellungen gibt es im den Mönchen vorbehaltenen Teil der Kirche auch eine Darstellung der Taufe Christi und eine Begegnung von Christus mit Maria Magdalena im gleichen Stil.


Von links nach rechts:
Thomas, Bartholomäus, Matthäus, Matthias, Judas Thaddäus


Simon der Zelot

Besonders interessant an diesen Werken ist, dass sich der Maler an Gravuren zweier anderer Künstler inspiriert hat, die ihrerseits Werke Raffaels reproduziert haben. Die Fresken in Tre Fontane sind also eine Erinnerung an 1517 von Raffael in der Sala dei Palafrenieri oder Sala dei Chiaroscuri im Apostolischen Palast im Vatikan gemalte Apostel! Sie gingen wenige Jahre nach ihrer Entstehung verloren. Die ursprünglichen Fresken Raffaels wurden später durch Taddeo und Federico Zucchari erneuert. Vergleiche z.B. dieses Bild von heute.

Die drei folgenden Fotos zeigen: ein Seitenschiff mit Kreuzgratgewölbe und Mauerwerk von SS. Vincenzo e Anastasio sowie eine Statue des Heiligen Bernhard von Clairvaux vor der Kirche:


San Paolo alle Tre Fontane

Von der Klosterkirche gingen wir weiter zur Kirche S. Paolo alle Tre Fontane.

Die Kirche zu den drei Quellen wurde an der Stelle erbaut, an der nach der Überlieferung das Todesurteil an Paulus vollstreckt wurde. Der Tradition zufolge befand sich die Hinrichtungsstätte in nächster Nähe einer römischen Straße zu Füßen eines riesigen, alten Pinienbaumes. Siehe Kapitel "Abbazia delle Tre Fontane" in diesem PDF "Auf den Spuren des Apostels Paulus in Rom" S. 2

Tatsächlich entdeckten die Trappisten bei Aushubarbeiten und anschließenden Ausgrabungen in der Tiefe Münzen aus der Zeit Kaiser Neros sowie zahlreiche versteinerte Pinienzapfen. Auch Reste einer Kapelle aus dem 5. Jahrhundert kamen ans Tageslicht.

Als Paulus enthauptet wurde, soll sein Haupt drei Mal die Erde berührt haben. An jeder der drei Stellen soll eine Quelle entsprungen sein.



Am Ende der Allee weist ein Stück unregelmäßigen Basaltpflasters darauf hin, daß es sich hier um einen antiken Ort handelt. Der Überlieferung zufolge legte Paulus auf diesem Pflaster die letzten Meter seines Lebens zurück.


Nun standen wir vor dem 1599 von Giacomo della Porta im Auftrag von Kardinal Pietro Aldobrandini erbauten Gotteshaus. Der Kardinal war Kommendatarabt von Tre Fontane. Anlass für den Bau von S. Paolo war das Heilige Jahr 1600 zu dem viele Pilger in Tre Fontane erwartet wurden. Ein Vorgängerbau befand sich in trostlosem Zustand und wurde abgerissen.

Leider habe ich kaum Detailaufnahmen der Fassade aus Backsteinen und Travertin gemacht obwohl ihre Formen einen eleganten und harmonischen Eindruck auf mich gemacht haben.

Rechts und links über dem Giebeldreieck und vor zwei Voluten stehen Statuen von Petrus und Paulus. Weiter unten erinnert eine Inschrift an den Stifter Pietro Aldobrandini und über dem Eingangsportal erkennt man das Datum des Baubeginns AD MDIC (Anno domini 1599).


Die folgende Inschrift erinnert an das Martyrium des Paulus. An den Kapitellen und Girlanden ist der achtstrahlige Stern aus dem Wappen der Aldobrandini zu erkennen:




Das Photo rechts lässt eine von drei Apsiden der Kirche erkennen. Diese befinden sich am nördlichen und am südlichen Ende der Kirche sowie in der Mitte der Ostwand.

Man betritt die Kirche durch eine Eingangshalle. Sie entspricht dem älteren abgerissenen Oratorium. In der Eingangshalle sehen wir u.a. eine Darstellung der Grabprozession des Paulus sowie eine weitere Inschrift, die Pietro Aldobrandini als Stifter von S. Paolo nennt. Zwei Fenster stellen die Päpste Clemens VII. und Clemens VIII. dar. Der 1599 regierende Papst Clemens VIII. Aldobrandini war der Onkel Kardinal Pietro Aldobrandinis.



Unter den Fenstern befinden sich zwei Marmorreliefs mit Darstellungen der Kreuzigung Petri und der Enthauptung Pauli von denen ich keine Bilder gemacht habe.

Aus dem Vestibül tretend, kommen wir nun ins Kirchenschiff. Vor uns liegt die Apsis der Ostwand, auf die ich später zurückkomme. Das Fresko (Ende 19. Jh.) in der Lünette darüber ist eine Darstellung von Paulus vor dem römischen Statthalter in Judäa, Porcius Festus.

Wikipedia schrieb:
Wie die biblische Erzählung in der Apostelgeschichte berichtet, wusste Festus nichts mit dem Apostel Paulus, der von seinem Vorgänger Marcus Antonius Felix in Schutzhaft genommen worden war, anzufangen, und überließ es schließlich den jüdischen König Herodes Agrippa II. herauszufinden, was es mit diesem mysteriösen Jesus Christus auf sich habe. Als Paulus an den römischen Kaiser Nero appellierte, schickte Festus ihn nach Rom.


Der Bodenbelag im Kirchenschiff ist nicht mehr das Original aus der Zeit Giacomo della Portas. Nach Ausgrabungen 1867 und dem Verlegen eines belüfteten Zwischenbodens im Kampf gegen die Feuchtigkeit wurde dieser ersetzt. Auf Wunsch von Papst Pius IX. liegt seither in der Mitte des Kirchenbodens ein antikes römisches Mosaik mit einer Darstellung der personifizierten vier Jahreszeiten. Es wurde in Ostia Antica in der Nähe des Mithräums des Palazzo imperiale gefunden und stammt aus dem Jahr 162 nach Christus. Siehe hier und hier (ganz nach unten scrollen).

Ich freute mich so, es endlich mit eigenen Augen zu sehen, dass ich es gleich 3x fotografiert habe. Hier der erste Versuch:



Später waren die Lichtverhältnisse besser und am besten gelungen ist die 3. Serie, da zu diesem Zeitpunkt eine hellere Beleuchtung eingeschaltet war.

Hier blicken wir in die Kapelle des Heiligen Petrus:



Die Ädikula wurde nach Plänen Giacomo della Portas vom Steinmetz Stefano Buzio ausgeführt. Das Altargemälde ist eine Kopie der Kreuzigung Petri von Guido Reni (1575 bis 1642), entstanden zwischen 1605 und 1606. Das Original wurde im 18. Jh. von S. Paolo alle Tre Fontane in den Quirinalspalast gebracht, gelangte 1797 nach Paris und hängt seit seiner Rückführung 1815 in der Pinakothek der Vatikanischen Museen (die ich leider immer noch nicht kenne).

Im Kirchenschiff befindet sich auch ein Fenster mit der Darstellung des Paulus und in einer Ecke, hinter einem Gitter, die weiße Marmorsäule, an welcher Paulus enthauptet worden sein soll.


Soviel hatten wir gesehen, als eine Messe begann und alle, die nicht daran teilnehmen wollten hinausgebeten wurden. Ein italienischer Geistlicher feierte die Messe für eine Gruppe junger Leute. Wir blieben und setzen uns ganz hinten ins Kirchenschiff mit dem Rücken zur 2. Apsis (Pauluskapelle) während die Messe in der Petruskapelle gefeiert wurde. Es war sehr schön einen Gottesdienst an diesem besonderen Ort zu erleben und seinen Gedanken in aller Ruhe nachzuhängen.

Nach Ende der Messe hatten wir das Glück, einen Blick in die Sakristei werfen zu können, bevor sie wieder verschlossen wurde. Ausgemalt wurde diese 1953 von Ermilio und Leila Lazzaro. An den Seiten sind die beiden Märtyrerinnen S. Floriana und S. Faustina dargestellt. In der Apsiskalotte ist Paulus dargestellt, wie er im Himmel vom Hl. Stephanus zur Hl. Dreifaltigkeit geführt wird. Zudem erkennt man die Allegorien von Glaube, Hoffnung und Liebe!

Paulus im 13. Kapitel des 1. Korintherbriefs schrieb:
Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; / doch am größten unter ihnen ist die Liebe.
Quelle


Die Apsis selbst ist mit der Szene vom Martyrium des Heiligen Paulus ausgemalt. Im Vordergrund erkennt man Körper und Haupt des Paulus, dazwischen die drei Quellen, die der Legende nach an den Stellen entsprungen sind, an denen sein Kopf aufschlug. In der Menschenmenge befinden sich ein römischer Hauptmann, drei von Paulus bekehrte Gefängniswärter, drei Anhängerinnen des Apostels sowie der Evangelist Lukas und viele Menschen, die Paulus am 29.6.67 begleitet haben.


Besonders erfreut waren wir in der Sakristei ein Fenster mit dem Wappen Papst Benedikts XVI. zu entdecken. Links vom Papstwappen Buch und Schwert, die Attribute mit denen Paulus abgebildet wird, rechts Kreuz und Schriftrolle mit der Angabe der Jahrezahl AD MMVIII (Anno domini 200[noparse]8)[/noparse]. 2008-2009 hatte Papst Benedikt XVI. zum Paulusjahr erklärt!



Nun sahen wir uns die drei Quellen an. Giacomo della Porta fasste das Wasser der drei Quellen in einem Wasserbecken rechts der Kapelle des Hl. Paulus, dem "Zwilling" der Petruskapelle, zusammen. Über Rohre wurde das Wasser zu den drei Brunnnen in den drei Marmornischen geleitet, die er für die Ostwand der Kirche entworfen hat. Früher tranken die Pilger von dem Wasser und konnten es berühren aber 1950 wurden die Öffnungen verschlossen da die Erde, aus der sie entspringen verschmutzt war.


An jedem der drei Brunnen befindet sich eine Darstellung des Paulus-Hauptes. Sie sind aus vergoldeter Terracotta während die Originale aus gelbem Marmor sich im Kloster befinden.


Erst nach unserer Rückkehr habe ich durch dieses Video Tre Fontane - YouTube erfahren, dass die Nischen auch als Kenotaphe gedacht waren und die drei Köpfe unterschiedliche Ausdrücke von Sterben und Tod zeigen.


Wenden wir uns noch einmal dem Mosaik der Vier Jahreszeiten zu. Dies war meine zweite Serie:​



Als wir die Kirche verlassen wollten, gab es mehr Licht und die folgenden Aufnahmen sind, wie ich finde, am besten gelungen:


Die Personifikation des Frühlings (lat.: ver)
trägt einen Kranz aus zarten Feldblumen


Die Personifikation des Sommers (lat.: aestas)
trägt eine Krone aus reifen Ähren und hält eine Sichel


Die Personifikation des Herbstes (lat.: autumnus)
trägt eine prächtige Krone aus Weinlaub, gelben und blauen Trauben


Die Personifikation des Winters (lat.: hiems)
ist in die Blätter von Sumpfpflanzen gehüllt

Das Mosaik wurde, wie gesagt, 1867 in S. Paolo alle Tre Fontane gebracht als es Pius IX. der Kirche zum Geschenk machte. Restauriert wurde es damals dank der Großzügigkeit des Comte Victor de Maumigny.

Von S. Paolo gingen wir den kurzen Weg entlang der Abteikirche zurück



und besuchten die dritte Kirche von Tre Fontane,

Santa Maria Scala Coeli

Wie bei S. Paolo handelt es sich hier um einen von Giacomo della Porta errichteten Bau. Sie ist die ältere der beiden Kirchen und wurde zwischen 1582 und 1584 im Auftrag des damaligen Kommendatarabtes Kardinal Alessandro Farnese von della Porta errichtet. Ein Neubau war notwendig geworden, weil die alte Kirche, dokumentiert seit 713, in einem Orkan zerstört worden war. Giacomo della Porta war nicht nur der berühmteste römische Architekt dieser Zeit, sondern auch der persönliche Baumeister des Kardinals, für den er bereits die rückwärtige Fassade des Palazzo Farnese errichtet und Il Gesù vollendet hatte.

Wie S. Paolo hat S. Maria in Scala Coeli eine Fassade aus Ziegeln und Travertinelementen. Der Grundriss ist ein Achteck.


Die Kirche wurde als Begräbnisstätte des Tribuns Zenon und seiner 10.000 Gefährten, christliche Soldaten und Zwangsarbeiter beim Bau der Diokletiansthermen, bekannt. Gut 200 Jahre nach Paulus sollen sie hier 298 das Martyrium erlitten haben.


Der Name der Kirche heutigen Kirche geht auf die Überlieferung zurück, derzufolge Bernhard von Clairvaux 1138 während einer Messe an dieser Stelle eine Vision gehabt haben soll, bei der er tote Seelen, von Engeln geleitet, aus dem Fegefeuer über eine Leiter in den Himmel steigen sah. Der Name der Kirche steht über dem Eingangsportal und wird flankiert von zwei steinerenen Lilien aus dem Wappen der Farnese!


In der Eingangshalle der Kirche hängt eine Marmortafel deren Inschrift fälschlicherweise Vignola als Architekten nennt! Dieser starb bereits 1573!


Im Kirchenraum mit drei Apsiden führt eine Treppe in die Krypta hinunter. In der Nische an der Treppe steht eine Figur des H. Josef mit dem Jesuskind.



Wir stiegen als Erstes in die Krypta hinunter. Über dem Altar befindet sich ein Marmorrahmen im Kosmaten-Stil. Links erkennt man Reste eines Freskos den Hl. Zenon und die anderen Märtyrer darstellend, in der Mitte ein Kreuz aus rotem Marmor. Rechts befand sich ursprünglich ein Fresko von Paulus im Gefängnis. Das heute verlorene Fresko wurde durch eine Ikone erstzt.


Einer antiken Legende zufolge war der Raum hinter dem vergitterten Fenster die Zelle, in der Paulus die Vollstreckung des Todesurteils erwartete.



Über eine eiserne Wendeltreppe am Ende der schmalen, kleinen Krypta stiegen wir wieder in die Kirche selbst empor.

Das Mosaik der Hauptapsis ist nicht mittelalterlich, sondern stammt erst aus den letzten Jahren des 16. Jahrhunderts. Fertiggestellt wurde es 1599. Ausgeführt hat es Francesco Zucchi nach einem Entwurf von Giovanni de' Vecchi. Vor dem Goldgrund und zu Füßen von Maria mit dem Jesuskind sind von links nach rechts folgende Personen dargestellt: Papst Clemens VIII. Aldobrandini, zwei Mönchsheilige, S. Zenone, S. Vincenzo und Kardinal Pietro Aldobrandini:


Ursprünglich waren anstelle der beiden Aldobrandini die Figuren von Papst Gregor XIII. und Kardinal Alessandro Farnese vorgesehen.


Die Kapelle ist Bernhard von Clairvaux geweiht und das Altarbild zeigt seine Vision von der Himmelsleiter. Im Fussboden der Kapelle befindet sich teilweise noch mittelalterlicher Kosmaten-Boden, den Giacomo della Porta, genau wie die Kosmatenarbeiten in der Krypta, bewahren wollte.

Weitere Kapellen und Altarbilder:


Das Innere der Kuppel ist erst sei 1925 mit diesem Sternenhimmel bemalt:


Unseren Besuch von Tre Fontane beendeten wir mit einem Besuch im Klosterladen neben der Abteikirche. Dort erstand ich einige Postkarten und eine Flasche Eukalyptusessenz, ein im Gegensatz zum Eukalyptuslikör nicht so süsser Likör.


Last but not least konnten wir um 12 Uhr noch am Stundengebet der Mönche teilnehmen, zu dem die Gitter vor dem Altarbereich geöffnet waren. Hinter den wenigen Teilnehmern wurde danach gleich wieder abgeschlossen.


Durch den Arco di Carlo Magno kamen wir zum Vorplatz zurück. Dort befindet sich eine nette kleine Bar mit Terrasse, wo wir von einer jungen Frau sehr zuvorkommend bedient wurden. Auch die italienische Gruppe aus S. Paolo trafen wir hier wieder. In der Bar werden ebenfals Produkte des Klosters verkauft. Leider habe ich mich dort nicht umgesehen. Claude und ich genossen einen leckeren alkoholfreien Obst-Aperitivo und freuten uns, dass unser beider Erstbesuch von Tre Fontane so glücklich verlaufen war.


An der Ädikula mit der Statue des Hl. Benedikt von Nursia aus dem Jahr 1948 vorbei gingen wir Richtung Via Laurentina.

 
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Sankt Paul vor den Mauern


20. Juli 2016

Nach unserem Besuch von Tre Fontane, fuhren wir mit dem Bus nach S. Paolo fuori le mura. Zweimal sind wir umgestiegen (die Linien habe ich mir leider nicht gemerkt) und die Fahrt dauerte länger als gedacht aber schließlich kamen wir an.

Im Quadriportikus tschilpten munter römische Spatzen, die ihre Nester in den Kapitellen der Säulen gebaut haben:


Bald standen wir vor der während des außergewöhnlichen Heiligen Jahres der Barmherzigkeit geöffneten Heiligen Pforte:


Mit dieser habe ich mich vergangenes Jahr näher beschäftigt aber der Bericht steht noch aus. Die folgenden Bilder sind Schnappschüsse, der auf der Innenseite angebrachten Pforte, auf die ich ebenfalls in dem noch fehlenden Bericht der Rom-Reise der Tre a Roma im Sommer 2015, näher eingehen werde.

Es handelt sich dabei nicht etwa um eine ältere Heilige Pforte (diese war aus Holz), sondern um eine sehr kostbare, prachtvolle Tür, das sogenannte byzantinische Portal, 1070 in Konstantinopel angefertigt. Auftraggeber war Abt Hildebrand von Soana, der spätere Papst Gregor VII.

Man findet fast keine Informationen in deutscher Sprache im Netz. Am besten sind diejenigen auf der vatikanischen Webseite zur Basilika: Basilica Papale - San Paolo fuori le Mura - Dal IX° al XI° secolo.

Der Künstler Theodorus stellt einen christologischen, einen apostolischen (das Martyrium der Apostel) und einen prophetischen Zyklus dar. Heute ist das Portal auf der Innenseite der „Porta Santa“ oder Heiligen Pforte angebracht.
Bezahlt hat dieses sogenannte byzantinische Portal der amalfitanische Konsul Pantaleone. Bis zum Brand in der Nacht vom 15. zum 16. Juli 1823 war es das Hauptportal von Sankt Paul. Schwer in Mitleidenschaft gezogen, wurde es erst 1966 restauriert und dann zu seinem Schutz ins Innere versetzt. 1999 wurde das byzantinische Portal noch einmal restauriert.

Wie gesagt, habe mir die Tür im Sommer 2015 erstmals angesehen. Leider war der Automat zur Beleuchtung defekt und so lag sie ganz im Dunkeln. Hier die Bilder von Juli 2016:



Gut gefiel mir der kleine Altar, vor dem man nach dem Durchschreiten der Heiligen Pforte stand:


Wie immer betrachtete ich den Triumphbogen:

kathpedia schrieb:
Dieser schließt das Mittelschiff ab und ist eine Rekonstruktion des durch den Brand beschädigten Triumphbogens. Der Bogen hat 14 Meter hohe Granitsäulen, die aus dem 5. Jahrhundert stammten. In der Mitte des Mosaiks wird zwischen zwei anbetenden Engeln Christus dargestellt. Oben sind die vier Evangeliensymbole zu sehen. Außerdem befinden sich noch die 24 Ältesten aus der Offenbarung des Johannes und eine Darstellung der Apostel Petrus und Paulus dort.
Quelle: Sankt Paul vor den Mauern - Kathpedia


Erstmals fielen mir die Gammadiae auf dem Gewand von Paulus auf:


Petrus hingegen muss hier ohne auskommen:


Das Apsismosaik, das den segnenden Christus mit den Heiligen Petrus und Andreas sowie Paulus und Lukas zeigt, fasziniert mich immer wieder:​



Am Paulusgrab:



Alabasterfenster und
Paulusstatue aus dem 19. Jh.
Werk des Bildhauers Salvatore Revelli


So klein wirkt ein Mensch im riesigen, leeren Kirchenschiff!

Nach unserer Rückkehr ins Centro storico genehmigten wir uns ein leckeres Eis bei Giolitti:


 
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Arco di Grottapinta
oder

Passetto del Biscione


20. Juli 2016

Nach dem Eis bei Giolitti machten wir uns auf den Weg Richtung Piazza Farnese, in deren Nähe Claude eine Verabredung hatte. Der Campo de' Fiori lag nach Marktende noch voll mit Abfall und wurde eben erst gesäubert. Statt ihn zu überqueren, bog ich lieber nach rechts ab und stand nach ein paar Schritten auf der Piazza del Biscione.

Ich betrachtete die Fassade dieses Hauses,


bei dem es sich um frühere Pferdeställe des am Ostende des Campo de' Fiori gelegenen Palazzo Orsini Pio Righetti handelt. An der Fassade befindet sich eine schöne Hausmadonna:​


Rechts neben dem Haus öffnet sich ein Tor zu einer kürzlich restaurierten Passage mit wirklich sehr hübscher Freskenbemalung an Decke und Wänden. Die kurze Passage verbindet die Piazza del Biscione mit der Via di Grottapinta. Zur Lage siehe hier.

Eine Informationstafel bietet (in italienischer und englischer Sprache) gute Einbicke in die Geschichte dieses Ortes:


Im oben verlinkten Google maps-Ausschnitt gut zu erkennen, ist der halbkreisförmige Verlauf der Via di Grottapinta. Die Häuser dieser Strasse wurden in die Cavea des Pompeiustheaters hineingebaut.


Das Theater war der erste dauerhaft und aus Stein errichtete Theaterbau im antiken Rom. Es wurde von Gnaeus Pompeius Magnus 61 v. Chr. in Auftrag gegeben und 55 v. Chr. mit prächtigen Festspielen eingeweiht. Zum Gebäudekomplex gehörten auch eine Portikus und die Kurie des Pompeius. Dort wurde an den Iden des März 44 v. Chr. Gaius Julius Caesar ermordet.


Im Mittelalter entstanden in den Ruinen des Theaters zwei Kirchen, der Vorgängerbau von S. Barbara dei Librai und San Salvatore in Arco, wie die spätere Chiesa di Santa Maria in Grottapinta damals genannt wurde.

Um 1150 kaufte die Familie Orsini das Gelände und errichtete auf seinen Grundmauern einen Familienpalast. Im späten Mittelalter wurde der Campo de' Fiori angelegt und die verbliebenen Reste des Theaters dienten als Steinbruch für die Errichtung neuer Gebäude in Rom.


Am Ende des 16. Jahrhunderts wurde Santa Maria in Grottapinta von den Orsini umgebaut und das Wappen der Familie über dem Eingang angebracht. Hier befand sich auch die Kapelle in welcher die Heirat zwischen Paolo Giordano Orsini und Vittoria Accoramboni stattfand. Siehe dazu bei Interesse Römisches Mai-Wochenende mit Cortili aperti (bis zum Palazzo Taverna Orsini scrollen). Gäste der Orsini kamen zum Gebet in diese Kapelle, so auch die Papsttochter Lucrezia Borgia.


Im 19. Jh. war die Kirche wegen ihres Madonnenbildnisses, der Madonna del Latte, auch Vergine della Providenza, bekannt. Es war ein Werk des Malers Scipione Pulzone (um 1550 bis 159[noparse]8[/noparse]) und wurde besonders von stillenden Müttern verehrt. Heute befindet es sich in der nahen Kirche S. Carlo ai Catinari:


Photo von September 2014

Ebenfalls im 19. Jh. diente die Kirche zeitweise als Sitz einer Akademie von Köchen und Konditoren. Zwischen 1887 und 1926 gab es hier ein Hospiz für obdachlose Jungen. Schliesslich diente die entweihte Kirche als Warenlager.

Seit 1986 befindet sich hier eine Kunstakademie, die sogenannte Accademia del Superfluo, und 2005 hat deren Direktor, Roberto Lucifero, das Kulturzentrum Cappella Orsini im Erdgeschoss der ehemaligen Kirche eingerichtet.

Nach der Lektüre der Informationstafel wandte ich mich den frisch restaurierten Fresken zu: An den Wänden ist eine Scheinarchitektur mit girlandengeschmückten Säulen vor blauem Himmel zu sehen, an der Decke schweben zwei Putten am blauen Himmel. Sie tragen eine lange mit roten Bändern umwundene Blumengirlande.




Wenn man, wie ich, die Passage von der Piazza del Biscione kommend betritt, findet man an ihrem Ausgang in einem hübschen Holzschrein eine neue Kopie der Madonna del Latte. Angefertigt hat diese die Malerin Raffaella Curti.




Seine Wiedergeburt verdankt der bis vor Kurzem sehr heruntergekommene Arco di Grottapinta dem Künstler Roberto Lucifero. Hier im Forum habe ich einige ältere Aufnahmen der Passage von unserer leider seit langer Zeit nicht mehr aktiven Nutzerin Susannah entdeckt:

Rechts von diesem Haus


führt sie von der Piazza del Biscione


zum Teatro di Pompeo.
Am 22. Juni 2016 veröffentlichte die online-Ausgabe der La Repubblica diese Fotogalerie Roma, il Biscione a colori: il passetto che Lucifero ha tinto di nuovo - 1 di 1 - Roma - Repubblica.it mit Bildern der restaurierten Passage.

Roberto Lucifero ist der Direktor der Cappella Orsini und hat die Fresken der Passage auf eigene Kosten restauriert. :thumbup: Hier sieht man ihn am Werk:

passetto_rob on Vimeo

Tritt man aus der Passage heraus befindet man sich in der Via di Grottapinta. Die ehemalige Kirche S. Maria di Grottapinta ist momentan eingrüstet. Man erkennt die Baustelle auf dem Photo unten rechts:


Ein paar Schritte weiter Richtung S. Andrea della Valle befindet sich die bekannte römische Trattoria Der Pallaro:


Dieser römische Spaziergang führt mich am Ende noch zu S. Ivo alla Sapienza, wo man dabei ist Borrominis Kuppel zu restaurieren:


Leider hat diese ja inzwischen beim Erdbeben im Oktober Schaden davon getragen aber die Risse werden hoffentlich schnell repariert. Siehe dazu: Crepe cupola Borromini, chiusa Sant'Ivo - Lazio - ANSA.it

In der Via di Torre Argentina 82, fiel mir dieser Laden mit Holzspielzeug auf. Es handelt sich um eine Filiale von Bartolucci, dessen Hauptgeschäft in Rom sich an der Via dei Pastini 96 - 99 befindet.

 
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Santa Prassede


21. Juli

An unserem dritten Tag in Rom besuchten Claude und ich in aller Ruhe vor allem zwei bedeutende römische Kirchen, S. Prassede und S. Maria Maggiore.

In S. Prassede war ich zuvor erst ein einziges Mal und der damalige Besuch war nur relativ kurz. Ein paar Photos dieses Besuchs an Allerseelen 2010 habe ich später im Reisebericht Über den Dächern von Rom gezeigt. Dort liest man auch:

(...) in Santa Prassede habe ich zu meinem Bedauern längst nicht alles gesehen und kehre gerne wieder dorthin zurück!
Fast sechs Jahre später war es soweit! In der Via di S. Prassede betraten wir die uralte Basilika. Zu ihrer wohlbekannten Geschichte verweise ich nur auf Santa Prassede - Wikipedia


Obwohl ich wusste, dass die noch viel feineren Mosaiken von SS. Cosma e Damiano Vorbild für diejenigen von S. Prassede und S. Cecilia in Trastevere waren, erstaunte mich doch beim ersten Blick die Ähnlichkeit.


SS. Cosma e Damiano


S. Cecilia in Trastevere

Die Mosaiken der Apsis, des Apsisbogens, des Triumphbogens sowie der Zeno-Kapelle von S. Prassede stiftete um 820 Papst Paschalis I.

In Rom war er wegen seiner strengen Amtsführung unbeliebt, 824 kam es in Rom zu Unruhen. Nach seinem Tod wurde er in der von ihm wiedererrichteten Kirche Santa Prassede bestattet, da das Volk eine Grablegung in Alt-St. Peter verhinderte. Sein Nachfolger Eugenius II. ließ die Gebeine aber doch in eine Kapelle der vatikanischen Basilika überführen.
Apsis-Mosaik

Vor dem blauen Hintergrund schwebt Christus auf einem bunten Wolkenteppich aus dem Himmel herab. Über ihm zeigt sich, von weißen Wolken umgeben, die Hand Gottes mit dem goldenen Kranz. Christus ist mit Kreuznimbus dargestellt, die rechte Hand erhoben und in der linken eine Schriftrolle haltend. Die Szene spielt sich in einer Paradieslandschaft mit dem Jordan ab.



Christus umgeben: Paschalis I., Praxedis (die Titelheilige) und Paulus (links) sowie Petrus, Pudentiana und Zeno (rechts). Am Mosaikrand erkennt man je eine Palme. In derjenigen über Papst Paschalis sitzt ein Phönix mit Strahlennimbus. Zu Füßen von Praxedis liegen Gesteinsbrocken, wie man sie auch auf dem Bodenstreifen von SS. Cosma e Damiano erkennt. 12 Lämmer ziehen aus Jerusalem und Bethlehem zum apokalyptischen Lamm in der Mitte. Darunter verläuft die Widmungsinschrift.


Paschalis I., mit dem quadratischen Nimbus des zur Zeit der Anfertigung des Mosaiks noch Lebenden, hält das Modell der Kirche in den verhüllten Händen. Die Kirchenpatronin Praxedis, wie auch ihre Schwester Pudentiana, tragen mit Edelsteinen besetzte Gewänder und Schmuck. In den verhüllten Händen erkennt man ihre Märtyrerkronen. Petrus und Paulus legen einen Arm um ihre Schultern.

Mosaiken des Apsisbogens:​



Hier ist, wie in SS. Cosma e Damiano, die Verehrung des mystischen Lammes dargestellt. Es wird flankiert von 7 Leuchtern, 4 Engeln und den 4 Evangelistensymbolen.

Mosaiken des Triumphbogens:


Diese sind ein Abbild des Himmlischen Jerusalem. In den reich verzierten Stadtmauern steht Christus zwischen zwei Engeln, vor ihm Maria und Johannes der Täufer (links) sowie Praxedis (rechts). An diese anschliessend auf jeder Seite sechs Apostel sowie ein jüngerer Mann (links) und ein älterer Mann mit Engel (rechts).


Im Bogenunterzug das Monogramm Paschalis' I.
umgeben von Girlanden

Detailaufnahmen des Triumphbogens:


Die Stadttore des Himmlischen Jerusalem werden von Engeln bewacht. Von links führt ein weiterer Engel eine Gruppe Auserwählter herbei, an der Spitze zwei Frauen (wahrscheinlich wieder Praxedis und Pudentiana).

Von rechts (siehe folgendes Bild) nähern sich unter der Leitung von Paulus weitere Auserwählte und werden von Petrus und einem Engel in Empfang genommen.


Im Bodenbereich des Mosaiks erkennt man die langstieligen roten Blüten, die typisch für Mosaiken des Stifterpapstes Paschalis sind.

Den Kosmatenfussboden von S. Prassede ziert u.a. folgende rote Porphyrscheibe. Sie bedeckt der Legende nach einen Brunnen, in dem Praxedis die Überreste und das Blut von Märtyrern gesammelt hat:


Nicht so alt, aber ganz sicher ein Grund, weshalb mir diese Kirche so gut gefällt, sind die hellen freskierten Kirchenwände. Anfang des 17. Jahrhunderts wurden sie von verschiedenen Künstlern mit auf Sockeln stehenden und in lebhaften Posen abgebildeten Engeln bemalt.



Verkündigung im hinteren Bereich der Kirche



Passion Christi


Die Szene von der Geißelung Christi erinnert an das 1223 von Kardinal Giovanni Colonna nach Rom gebrachte Säulenfragment in einem Raum neben der Zeno-Kapelle, das von der Geißelungsssäule Christi stammen soll.

Am 3. Pfeiler im rechten Seitenschiff befindet sich das Grabmal mit der Bildnisbüste des Bischofs Giovanni Battista Santoni. Sie ist eines der ersten Werke des jungen Gian Lorenzo Bernini.




Ebenfalls im rechten Seitenschiff:


Fresko der
Madonna della salute, 13. Jh.

Aussenwand der Zeno-Kapelle


Über dem Portal erkennt man in zwei halbkreisförmigen Bögen zahlreiche Medaillons mit Brustbildern. In der Mitte des oberen Bogens ein segnender Christus umgeben von je sechs Aposteln, im unteren Bogen Maria mit Kind umgeben von zwei Klerikern (wahrscheinlich die Heiligen Zeno und Valentin) sowie auf jeder Seite vier gekrönten weiblichen Heiligen (u.a. Praxedis und Pudentiana).


Betreten wir nun die Zeno-Kapelle. Dieses Gesamtkunstwerk römischer Mosaikkunst des 9. Jahrhunderts wurde um 820 als Grabkapelle für die Mutter Papst Paschalis' I., Theodora, errichtet. Die Wände sind lückenlos mit Mosaiken geschmückt. Der Sockel ist seit dem 18. Jh. marmorverkleidet.


Wegen der auch hier vorhandenen Blumen im Bodenstreifen der Mosaiken wurde die Kapelle auch hortus paradisi genannt. Der Name Zeno-Kapelle geht auf Bischof Zenon von Verona zurück, der 372 als Märtyrer starb und dessen Reliquien der Papst hierhin überführen liess.


Das Kreuzgratgewölbe über dem quadratischen Raum ist das älteste seiner Art in einem christlichen Sakralbau in Rom. Über den vier Ecksäulen beginnt das Deckenmosaik. Auf blauen Himmelskugeln stehen vier Engel und halten einen dunkelblauen Clipeus mit dem Brustbild Christi.


Photo von 2010



Oberes Register: mystisches Lamm auf dem Paradiesberg mit vier Flüssen und Hirschen
Unteres Register: Büsten von Theodora, der Mutter Paschalis' I. und Maria zwischen Pudentiana und Praxedis


Theodora mit quadratischem Nimbus und dem Schriftzug Theodora Episcopa, was nicht auf ein Amt in der Kirche hinweist, sondern sie als Mutter des päpstlichen Stifters ausweist


Links: Johannes der Evangelist mit Andreas und Jakobus
Rechts: Petrus und Paulus deuten auf den für die Wiederkunft Christi bereiteten leeren Thron


Links: Christus begleitet von einem Engel der in die Hölle hinabsteigt um Adam und Eva zu retten. Am linken Bildrand der Teufel in Ketten (Anastasis)
Rechts: Segnender Christus zwischen Zeno von Verona und Valentin von Rom


Links: Altarmosaik mit Maria und Kind umgeben von Praxedis und Pudentiana
Mitte: Agnes, Pudentiana und Praxedis
Rechts: Maria und Johannes der Täufer als Fürbittende (Deeis)


Details


Bevor wir S. Prassede verliessen warfen wir noch einen Blick in die Cappella Giovanni Gualberto. Die Bilder der Kuppel sind die letzten Aufnahmen aus der Kirche. Der Akku meines Fotoapparats war fast leer und ich hatte keinen Ersatz dabei. Die Kapelle stammt aus dem 19. Jh. und wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts neu gestaltet. San Giovanni Gualberto (995 bis 1073) war der Gründer des Ordens, dem die Kirche anvertraut ist. Johannes Gualbertus - Wikipedia

Wikipedia schrieb:
Aus den von ihm gegründeten Klöstern entwickelte sich der Reformorden der Vallombrosaner (Congregatio Vallis Umbrosae Ordinis Sancti Benedicti), welcher im 20. Jahrhundert mit dem Benediktinerorden vereinigt wurde.
Zur Gemeinschaft der Vallombrosaner in Rom gehören heute noch 3 Mönche. Siehe: Monastero di S. Prassede - Italia




So endete ein ausgiebiger und sehr schöner Besuch dieser wunderbaren Kirche aber schon wieder habe ich von Details gelesen, auf die ich nächstes Mal besser achten werde.
 
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Von S. Maria Maggiore bis S. Agata dei Goti

21. Juli

Nach dem Besuch von S. Prassede saßen wir lange bei einer Erfrischung auf einer Terrasse in der Nähe von S. Maria Maggiore, deren Besuch wir uns als Nächstes vorgenommen hatten.

Eher zufällig betrachtete ich im Andenkenladen die Decke des Raumes und mir fielen diese Freskenreste auf:


Der Raum war früher eine dem Erzengel Michael geweihte Kapelle. Das Kreuzgratgewölbe war mit einer Darstellung der vier Evangelisten und ihrer Symbole bemalt, von denen leider wenig erhalten ist. Eine nähere Betrachtung lohnt sich trotz allem, denn wir haben es hier wohl mit dem einzigen Werk Piero della Francescas in Rom zu tun. Siehe: PIERO DELLA FRANCESCA - ROMA INTERACTIVE

L’unica opera romana attribuita a Piero della Francesca (1415 circa – 1492), è la volta della cappella San Michele a Santa Maria Maggiore, che raffigura gli Evangelisti.

Nonostante sia notevolmente deteriorato l'affresco è di grande suggestione.
Das Fresko mit der Auferstehung Christi in der Lünette wird Benozzo Gozzoli zugeschrieben. Der Schlusstein des Gewölbes ist mit dem Wappen des Kardinals Guillaume d'Estouteville geschmückt. Dieser war 40 Jahre lang, von 1443 bis 1483, Erzpriester von S. Maria Maggiore. Quelle

Da wir eine Weile warten mussten, bis wir an einer Führung durch die archäologischen Ausgrabungen unter der Basilika und zur Loggia teilnehmen konnten, hielten wir uns zunächst in der Kirche auf, wo ich gezielt nach diesem Mosaik im Hauptschiff Ausschau hielt,

das ich bereits im Gammadiae-Thread erwähnt habe und von dem ich unbedingt ein eigenes Photo machen wollte.

Inzwischen sind Euch wahrscheinlich die goldenen Vierecke auf den weißen Schleiern der Märtyrerinnen aufgefallen. In ihrem Aufsatz "Gender, Journeys and Gammadia in the Mosaics at Ravenna" legt Nancy Ross dar, dass sie diese goldenen Vierecke für Gammadiae hält und diese Gammadiae Symbole der Jungfräulichkeit und eine Art Ehrenzeichen der abgebildeten Märtyrerinnen sind.

Die Lektüre des Aufsatzes fand ich sehr interessant. Er enthält noch viele weitere lesenswerte Details und Anmerkungen zu Gammadiae im Allgemeinen. Die Autorin kennt fast 80 "art situations" (Kunstwerke?) mit Gammadiae, nur drei davon zeigen Frauen. Zwei sind christlichen Ursprungs und befinden sich in S. Apollinare Nuovo in Ravenna sowie in S. Maria Maggiore in Rom. Eine ist jüdischen Ursprungs und stammt aus der Synagoge von Dura Europos.

Hier eine Abbildung des Mosaiks aus S. Maria Maggiore, welche ich zum Glück in den Tiefen des weltweiten Netzes aufgespürt habe. Dargestellt ist die Hochzeit von Moses mit Zippora. Wie bei den Märtyrerinnen steht das goldene Viereck bei der Braut für Jungfräulichkeit.

Das Mosaik befindet sich an der rechten Langhauswand von S. Maria Maggiore.

Die Mosaiken, die sich im Hauptschiff befinden, stellen vier Zyklen der Heilsgeschichte dar. Die Hauptdarsteller sind Abraham, Jakob, Moses und Josua. In ihrer Einheit möchten sie Gottes Versprechen und Hilfe bezeugen, das jüdische Volk in das gelobte Land zu führen. Die Erzählung befolgt nicht der ursprünglichen Chronologie, sondern fängt auf der linken Wand in der Nähe des Triumphbogens mit dem Opfer von Melchisedek an. (...) Die Episoden sind den apokryphen Evangelien entnommen.
Quelle: Die Papstbasilika Santa Maria Maggiore - Geschichte - Das Innere der Basilika

Beim Verlassen der Borghese-Kapelle entstanden diese beiden Bilder:

In der Kapelle selbst herrscht Photographierverbot.

WIkipedia schrieb:
Die Cappella Borghese (oder auch Cappella Paolina) links, die zur Zeit des Borghese-Papstes Paul V. entstand, gilt als prunkvollste Privatkapelle aller römischen Kirchen und enthält das Gnadenbild Salus Populi Romani (Beschützerin des römischen Volkes), das einst als Lukasikone angesehen wurde.
Quelle: Santa Maria Maggiore - Wikipedia

Diesem Gnadenbild stattet Papst Franziskus immer wieder, z.B. vor Antritt einer weiten Reise und nach der Heimkehr, einen Besuch ab.

Das Relief über dem Gnadenbild ist ein Werk von Stefano Maderno. Der Künstler hat Papst Liberius dargestellt, während er, wie die Legende berichtet, den Grundriss von Santa Maria Maggiore in den Schnnee zeichnet. Dazu gleich noch mehr.

Wir begaben uns nun zum Eingang des Museums der Basilika und bald begann die Führung in italienischer Sprache. Eine kleine französiche Pilgergruppe (6 Personen, darunter zwei junge Geistliche, von denen einer ins Französische übersetzte) sowie Claude und ich gelangten mit unserer netten Führerin zuerst zu den


Wie auf der Webseite des Museo Liberiano beschrieben, kann man unter der heutigen Basilika Reste einer zwischen dem 1. und dem 4. Jh. bewohnten römischen domus sehen. Das große Gebäude

(...) geht auf augusteische und hadrianische Zeit zurück. Sein Haupteingang befand sich unter der Apsis der heutigen Kirche und hatte einen Säulenhof mit den Maßen 37,30 m × 30 m. Die Vermutung, es könnte sich um das Macellum der Livia handeln, das auf dem Esquilin lag, wurde nicht bestätigt. Unter Kaiser Konstantin dem Großen wurden zwei Wände mit einem Bauernkalender bemalt zur Verdeutlichung der ländlichen Arbeiten in den einzelnen Monaten. Der Kalender wurde aber wenig später mit einer Bemalung im Stil einer Marmordekoration verdeckt.
Quelle

Die Ausgrabungen wurden in den Jahren 1966 bis 1971 durchgeführt, als man wegen Bodenfeuchtigkeit Sanierungsmaßnahmen durchführte.


Links und Mitte: Thermenbereich
Rechts: Am Geländer lehnt eine Tafel zur Erklärung eines interessanten Exemplars eines Sator-Quadrates
Siehe: Sator-Quadrat - Wikipedia


Wandmalerei
Prächtig muss der Bauernkalender gewesen sein, der an die Aussenmauer des Anwesens gemalt war. Leider ist von den Fresken vom Ende des 2. Jahrhunderts, die die bäuerlichen Tätigkeiten der 12 Monate darstellten, nur ganz wenig erhalten. Hier erkennt man mit einiger Mühe die Obsternte im September (vgl. hier):

Da der Akku meines Photoapparates fast leer war, habe ich nur ganz wenige Bilder an diesem wirklich sehr interessanten Ort gemacht. Auf dem Rückweg aus den unterirdischen Bereichen durchquerte unsere Gruppe auch das Museo del Tesoro. Da wir keinen Eintritt für dieses bezahlt hatten, konnte ich die schöne Krippe von Arnolfo d Cambio leider nur im Vorübergehen bewundern. Zu Fuß (es gibt aber auch einen Fahrstuhl) stiegen wir zur
hinauf. Schon lange hatte ich mir gewünscht die herrlichen Mosaiken aus dem 13./14. Jh. zu sehen. Zum Glück hatte mein Photoapparat ein Einsehen ;) und genehmigte mir dort noch eine Reihe von Bildern.

Wikipedia schrieb:
Die antike Basilika ist von außen nicht frei sichtbar. So wurde der alten, mit Mosaiken verzierten Ostfassade um 1750 eine spätbarocke Portikus mit Benediktionsloggia vorgelagert, die von Ferdinando Fuga entworfen wurde. Die Mosaiken des 13./14. Jahrhunderts sind dabei erhalten geblieben.
Quelle

Die Mosaiken sind in zwei Registern angeordnet. Im oberen Register erkennt man links Jakobus den Älteren, Paulus, Maria und über ihnen die symbolische Darstellung des Evangelisten Johannes, rechts Johannes den Täufer, Petrus, Andreas und über ihnen die symbolische Darstellung des Evangelisten Matthäus.

Das mittlere Feld der Mosaiken des oberen Registers wird von einer prächtigen Darstellung des thronenden Jesus Christus beherrscht. Er trägt eine Purpurtoga und hält in der Linken ein offenes Buch während er mit der Rechten segnet. Zu Füßen von Jesus Christus erkennt man folgenden Schriftzug mit dem Namen des Mosaikkünstlers: "Philippo Rusuti fecit hoc opus".


Filippo Rusuti (etwa 1255 bis etwa 1325) war ein in Rom und Neapel tätiger Mosaikkünstler. Gemeinsam mit Jacopo Torriti und Pietro Cavallini gehörte er der römischen Schule des 13. Jahrhunderts an und war gemeinsam mit Jacopo Torriti auch an der Innenausstattung von S. Maria Maggiore beteiligt.

Die Entwürfe zu den Mosaiken des unteren Registers sollen auch von Rusuti stammen aber von seinen Schülern in Abwesenheit des Meisters ausgeführt worden sein.

Wikipedia schrieb:
Gli storici dell'arte ritengono che il registro inferiore dello stesso mosaico, con le Storie della fondazione della chiesa liberiana, sia da ritenersi un intervento di alcuni anni successivo e attribuibile a seguaci del Rusuti che lo realizzarono sui suoi disegni, ma in assenza del maestro.
Diese erzählen in 4 Szenen die Legende vom Bau Santa Maria Maggiores.

Bevor wir uns dieser zuwenden, muss ich gestehen, dass ich den Ausführungen unserer Führerin an dieser Stelle kaum zugehört habe, weil ich (in der leider zu knapp bemessenen Zeit auf der Loggia) darauf konzentriert war, brauchbare Bilder zu machen.

Wunderschön finde ich auch die beiden Engelpaare von Pietro Bracci (1700 bis 1773). Sie schmückten ursprünglich den Baldachin über dem Hauptaltar von S. Maria Maggiore, wurden aber, dem Willen Papst Pius' XI. (1922 bis 1939) gehorchend, entfernt um die Sicht auf das Apsismosaik zu verbessern und stehen seit dieser Zeit in der Benediktionsloggia.

Wenden wir uns nach diesen ersten Eindrücken den Mosaiken des unteren Registers zu.


Mittlerer Bereich, Szenen 2 und 3​

Sie erzählen in vier Szenen folgende Geschichte: Der Legende nach erschien die Muttergottes in der Nacht vom 4. auf den 5. August 363 dem Patrizier Johannes und seiner Frau, einem kinderlosen Ehepaar, das die Gottesmutter als Erbin einsetzen wollte. Sie erschien zugleich Papst Liberius im Traum und äußerte auch ihm gegenüber den Wunsch, ihr eine Kirche zu bauen an der Stelle, an der an diesem Sommermorgen Schnee liege. Am Morgen des 5. August war der Esquilinhügel auf wunderbare Weise von Schnee bedeckt. In Begleitung von Priestern und Volk zog Papst Liberius auf den Esquiln und steckte im frischgefallenen Schnee den Grundriß der Kirche ab. Das Ehepaar sorgte für die nötigen Mittel zu ihrem Bau.
Von dieser ersten Kirche ist uns nichts erhalten, außer einem Zitat im Liber Pontificalis, in dem steht, daß Papst Liberius sagte: "Fecit Basilicam nomini suo iuxta Macellum Liviae". Sie wurde 432 unter Papst Sixtus III. durch eine größere ersetzt. Die Neueinweihung fand am 15. August 432 statt. Bis heute wird der Weihetag von S. Maria Maggiore, die auch den Beinamen "Maria della neve" (Maria Schnee) trägt, gefeiert.

1. Szene: Maria erscheint Papst Liberius im Traum (Sogno di Papa Liberio)


2. Szene: Maria erscheint dem Patrizier Johannes im Traum (Apparizione della Madonna in sogno al patrizio Giovanni)


3. Szene: Der Patrizier Giovanni/Johannes erzählt dem Papst von seinem Traum (Il patrizio Giovanni narra la visione della Madonna a papa Liberio)


4. Szene: Papst Liberius zeichnet den Grundriss der künftigen Kirche in den Schnee. (Papa Liberio traccia il perimetro della basilica di S. Maria Maggiore sulla neve)
Unter der Darstellung von Jesus und Maria sieht man die immer dichter werdenden Schneeflocken auf den Esquilin niederrieseln. Fast sieht es aus als schüttele Frau Holle ihre Kissen aus. ;)


Es ist eine Freude, die Details (Kleidung, Intérieurs ...) und den expressiven Ausdruck vieler Gesichter zu betrachten. Von der Loggia aus geniesst man auch einen herrlichen Blick auf den Platz vor der Basilika und die Gestalt der Madonna mit Kind auf der 46 Meter hohen Säule (Colonna della Pace) aus der Maxentiusbasilika auf dem Forum. Sie wurde auf Wunsch von Papst Paul V., Borghese (1552 bis 1621) hierher gebracht. Die Säulenbasis und der Brunnen sind Werke von Carlo Maderno, die Statue ein Werk von Guillaume Berthélot.


Wir verließen die Loggia und gelangten in die


Hier sind in riesigen Schränken kostbare liturgische Gewänder aussgestellt. Von dort konnten wir einen Blick auf die sogenannte Scala del Bernini werfen. Die Geistlichen der Basilika nutzen sie regelmäßig.

Es ist nicht sicher ob die Treppe wirklich ein Werk von Gian Lorenzo Bernini ist. Wenn ja, war er sehr jung als er die Entwürfe für dieses Treppenhaus machte, erst sechzehn, laut dieser Quelle mit weiteren Photos: 2013 S. Maria Maggiore, Bernini la scala a, progetto di Gian Lorenzo all'età di 16 anni | Flickr - Photo Sharing!

Seinem Grab in der Kirche haben wir einen Besuch abgestattet und auch die zum Jahr der Barmherzigkeit geöffnete Heilige Pforte von S. Maria Maggiore durchschritten.

Schließlich ließen wir uns auf der Terrasse des Antico Caffè Santamaria nieder, deren weiße Sonnenschirme wir schon von der Loggia aus erspäht hatten.

Das Obsttörtchen für Claude und das Tiramisù-Törtchen für mich mundeten vorzüglichen und wir saßen sehr angenehm mit Blick auf die Basilika.



Fleißige Lieschen hatte ich lange nicht mehr gesehen

Schliesslich machten wir uns auf den Weg bergab, entlang der Via di S. Maria Maggiore und der Via Panisperna Richtung

Hier streikte mein Photoapparat dann endgültig und die Bilder von

entstanden mit der Kamera des Smartphones. Die Kirche ist der Heiligen Agatha von Catania geweiht.
Wikipedia schrieb:
Die Kirche geht wahrscheinlich bis ins 4. Jahrhundert zurück und wurde Sant’Agata in Capite Subura, nach dem antiken Stadtviertel Subura, genannt. Im 5. Jahrhundert wurde sie durch Ricimer zur Nationalkirche der Goten erklärt und für den arianischen Ritus umgestaltet. Aus dieser Zeit stammte auch ein prächtiges Mosaik in der Apsis, das beim Einsturz der Kuppel 1589 zerstört wurde.
Bereits 592 wurde die Kirche durch Papst Gregor I. dem katholischen Kult zurückgeführt. Sie behielt allerdings den Beinamen dei Goti. Im 17. Jahrhundert wurde das Innere barockisiert. Die frühchristliche Anlage mit einem Atrium und dem Kirchenniveau, das unter dem heutigen Straßenniveau liegt, ist jedoch noch gut ablesbar.

Im Inneren sind noch ein Ziborium und die Reste des Fußbodens, die von den Kosmaten im 12. oder 13. Jahrhundert geschaffen wurden, erhalten. Die Granitsäulen sind antik. Die flache Decke stammt aus dem Jahr 1633. Die Fresken mit der Legende der Heiligen Agatha wurden von einem unbekannten Künstler zur gleichen Zeit gemalt. Die Fassade wurde 1729 von Francesco Ferrari angefügt.



Das schöne Atrium mit Brunnen bedürfte dringend einer Auffrischung

Eine Blase an meinem Fuß forderte ihren Tribut und so saß ich nur noch auf einer Bank, während Claude sich als letztes Tagesziel den Park der Villa Aldobrandini ansah. Über diesen habe ich hier Wunderschöner Frühsommer in Rom - Seite 2 berichtet.

Wie an jedem Tag unserer Reise klang der Tag mit einem Abendessen in "unserem" Monteverde vecchio aus.
 
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Simone-Clio

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Santa Maria Antiqua


22. Juli

An diesem Morgen haben wir S. Maria Antiqua auf dem Forum einen Besuch abgestattet, für Claude ein mit viel Vorfreude erwarteteter Erstbesuch, für mich ein mit grosser Wiedersehensfreude gepaarter Zweitbesuch. In meinem Maibericht 2016 habe ich in 2 Beiträgen berichtet:


An dieser Stelle möchte ich mich auf einige Zusatzaufnahmen beschränken. Ich werde mich bemühen, sie so gut wie möglich in Kapiteln zu ordnen.

Auf dem Weg nach S. Maria Antiqua - Oratorium der 40 Märtyrer

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Vorhof





Eingangsbereich


Chorraum


Madonna mit Kind
(Original, bis zum Erdbeben von 847 in S. Maria Antiqua.
Inzwischen durche eine Kopie ersetzt)




Blick vom Choraum mit Amboplattform ins linke Seitenschiff


Links: S. Demetrio




Blick aus dem Chorraum ins rechte Seitenschiff.
Im Vordergrund: Schlachtenszene aus dem AT

Rechtes Seitenschiff







Lichtinstallation S. Maria Antiqua im rechten Seitenschiff








Kapelle der Ärzteheiligen
(Cappella dei Santi Medici)











Apsis, linke Seitenwand




Kapelle des Theodotus
(Cappella di Teodoto)







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Linkes Seitenschiff








Kaiserrampe und Aussichtsplattform