Abbazia delle Tre Fontane - Teil 1
20. Juli 2016
Durch das Torhaus (auf dem nächsten Foto) betritt man die Abtei von Tre Fontane. Sie liegt im Südosten Roms vor den Toren der antiken Stadtgrenze.
Tre Fontane wird seit dem 5. Jh. als der Ort verehrt, an dem Paulus (wahrscheinlich im Jahr 67 und in der Nähe eines großen Pinienbaumes) enthauptet wurde. 604 verlieh Papst Gregor der Große das Gelände der Basilika S. Paolo fuori le mura weil sie als Begräbnisort des Paulus diesem ebenfalls verbunden war. Im 7. Jh. kamen orientalische Mönche aus Kilikien, der Heimat von Paulus, an diesen Ort. Sie errichten wahrscheinlich kurz vor 649 das Kloster
S. Anastasius. Sie brachten Reliquien des 628 in Persien hingerichteten Märtyrers und Heiligen aus Byzanz mit.
Wikipedia schrieb:
Seine
Reliquien wurden zunächst in das Sergios Kloster von Bethsaloe gebracht. Der Tradition gemäß soll sein Leib durch
Honorius I. nach Konstantinopel überführt und laut
Beda Venerabilis dann nach
Rom gelangt sein, wo sich die Gebeine in der Kirche
S. Vinzenzo ed Anastasio, im römischen Viertel Fontana di Salvio befinden. Das Haupt verbrachte Kaiser
Heinrich III. 1047 von Rom in den
Speyerer Dom. Nach dessen Plünderung, Ende des 18. Jahrhunderts, kam es ins
Kloster Lichtenthal. Von dort holte es Bischof
Nikolaus von Weis 1851 nach
Speyer zurück, wo es heute in der Katharinenkapelle des Domes aufbewahrt wird
Vom 9. bis zum 11. Jh. behielt das Kloster seinen orientalischen Charakter. Zahlreiche päpstliche Schenkungen bezeugen seinen hohen Rang. Gegen Ende des 11. Jahrhunderts verwaiste es allerdings. 1081 wurde es an das Kloster S. Paolo fuori le mura angeschlossen und lateinische Mönche bezogen es.
Die Geschichte von Tre Fontane als Zisterzienser-Abtei geht auf das Jahr 1140 zurück, als Papst
Innozenz II. hier ein Kloster gründen liess, die 34. Tochterabtei von
Kloster Clairvaux in Frankreich. Der Papst verlieh dem Kloster Häuser, Felder und Weinberge und beantragte bei Bernhard von Clairvaux eine Gemeinschaft von 12 Mönchen. Die erste Gruppe von Mönchen wurde von Farfa nach Rom versetzt. Erster Zisterzienser-Abt von Tre Fontane war Pietro Bernardo Paganelli, der von 1145 bis 1153 als Papst
Eugen III. regierte.
1812 wurde das Kloster aufgelassen aber seit 1868 bewohnen
Trappisten, Zisterzienser von der strengen Observanz, den Konvent. Papst
Pius IX. hat ihnen das Kloster abgetreten. Die ersten Trappisten in Tre Fontane hatten ein hohes Risiko an Malaria zu erkranken denn es handelte sich um ein sumpfiges Gebiet und einen damit recht ungesunden Ort.
Zur Eindämmung der Malaria pflanzten die Trappisten Tausende Eukalyptusbäume an. Der Samen stammte vor allem aus Melbourne in Australien. Die Bäume brauchen für ihr Wachstum enorme Wassermengen. Die Trappisten stellen heute u.a. Eukalyptus-Likör her und aromatisieren mit dem Eukalyptus einen Teil des von ihnen gebrauten Bieres.
Tre Fontane liegt an der Via di Acquae Salviae, einer Abzweigung der Via Laurentina.
Acquae Salviae, salvinische Wasser, wurde der Ort bereits im Altertum genannt. Es existieren zwei mögliche Erklärungen für das Toponym: Aquae Salviae könnte sich von den zahlreichen, gutes Wasser spendenden Quellen, die dort entsprangen, ableiten. Salvius war aber auch der Name einer römischen Adelsfamilie, zu deren Besitz der Ort im Altertum gehörte. Berühmtester Vertreter der
gens Salvia war
Otho, einer der Kaiser des Vierkaiserjahres.
Lange schon hatte ich den Wunsch Tre Fontane kennenzulernen, nun war es soweit. Claude und ich sind mit dem Taxi nach Tre Fontane gefahren und der Fahrer brachte uns bis zum Vorplatz mit der Wehrpforte, dem Arco di Carlo Magno. Wir hatten das Glück in einem ruhigen Moment zu kommen und bis auf eine kleine italienische Pilgergruppe und eine grössere asiatische Gruppe (die in kürzester Zeit wieder verschwunden war) waren sehr wenig Besucher anwesend. So verbrachten wir einen unvergesslich schönen Morgen in dieser Oase der Ruhe.
Arco di Carlo Magno - Bogen Karls des Großen
Der Arco di Carlo Magno, eine auf das Mittelalter zurückgehende Wehrpforte, ist das Überbleibsel einer Mauer die früher den ganzen Klosterkomplex umgab. Über dem Eingang zur Abtei befindet sich seit dem Ende des 2. Weltkrieges, ein modernes Relief der Muttergottes mit dem Jesuskind und der Aufschrift "Emanuel" (Gott mit uns). Sie wurde den Trappisten von römischen Juden geschenkt, die dank des Einsatzes der Klosterbrüder die Verfolgung überlebt haben.
Daneben ließen die Mönche eine Gedenktafel anbringen, die ihnen von den jüdischen Familien Sonnino und Di Porto geschenkt wurde. Der Text lautet: "J. Sonnino e A.S.A. Di Porto persecutionem nazistam in iudeos dire saevientem fugientes hic deipara favente sospites beneficii memores posuere A.D. MXMXLVI" (d.h.: "J. Sonnino und A., S. und A. Di Porto, auf der Flucht vor der Judenverfolgung durch die Nazis, wurden durch die Hilfe der Muttergottes an diesem Ort gerettet. Dankbar für diese Gnade setzten sie diese Tafel im Jahr 1946").
Mehr zu diesem Aspekt der Geschichte von Tre Fontane und dem Einsatz von Prior Erhard in dem sehr lesenswerten Artikel von Antonio Gasapari vom 28.1.2013
Der deutsche Trappist, der die Juden im Kloster Tre Fontane rettete
Diese Fakten waren mir durch die Lektüre des Artikels bei Erscheinen bekannt, als wir nach Tre Fontane kamen. Hingegen erst nach der Rückkehr von dieser Romreise, habe ich mich näher über die im folgenden Berichtsteil geschilderten Fresken des Arco di Carlo Magno informiert. Zum Glück habe ich im Juli genügend Fotos gemacht, um die Beschreibung illustrieren zu können.
An der Decke und drei Wänden des Torhauses befinden sich schöne und interessante Reste von Fresken aus dem 12. und 13. Jh.
In der Mitte der Decke war früher in einem
Clipeus eine segnende Christusbüste zu erkennen. Vom Clipeus gingen kreuzförmig vier Arme aus, in denen je ein Engel dargestellt war. In den Ecken waren die vier Evangelistensymbole angeordnet. Deren Reste werden von wunderschönen teils in Kreisen und Rauten angeordneten Pflanzen- Tier-, vor allem Vogelmotiven eingerahmt.
Gesamteindruck der Decke
Um 1630 muss sie noch wesentlich besser erhalten gewesen sein denn in der Vatikanischen Bibliothek befinden sich aquarellierte Zeichnungen von Antonio Eclissi, die bis auf das Antlitz Christi und den vierten Engel alle Einzelheiten zeigen.
Stier und Löwe der Evangelisten Lukas und Markus
3 der ursprünglich 4 Engel
Vogelmotive
Besonders interessant sind die Motive der Fresken in den beiden seitlichen Lünetten.
Es handelt sich um Episoden von der Schenkung von Besitztümern in der Maremma durch Kaiser Karl den Großen an das Kloster von Tre Fontane im Jahr 805. Diese, in den Bereich der Legende gehörende Schenkung, soll im Anschluss an den Sieg Kaiser Karls des Großen und Papst Leos III. über Muslime in der südlichen Toskana stattgefunden haben. Die Entscheidung in diesem Feldzug fiel, der Legende zufolge, in der Schlacht von Ansedonia. In der Nacht vor der entscheidenden Schlacht träumten sowohl der Kaiser als auch Papst
Leo III. den gleichen Traum: Ein Engel riet ihnen die Reliquien des Hl. Anastasius aus dem Kloster Tre Fontane vor das von den Muslimen beherrschte und von den Franken belagerte Ansedonia bringen zu lassen. So geschah es und während Papst Leo III. das Haupt des Märtyrers in einer Prozession rund um die Mauern von Ansedonia trug, erschütterte ein plötzliches Erdbeben den Ort. Die Stadtmauern stürzten ein und die Muslime wurden besiegt.
In dankbarer Demut überließ Karl der Große die Stadt und weiteren Besitz in der Toskana dem Papst, der die Orte seinerseits dem Kloster von Tre Fontane überließ. Während des 12. und 13. Jahrhunderts legitimierten die Zisterzienser so ihren Landbesitz in der südlichen Toskana.
Kommen wir nun zu den Fresken selbst:
Das Fresko gliedert sich in 2 Register. Das obere Register stellte die vergebliche Belagerung Ansedonias durch die Truppen Karls des Großen vom Meer her dar. Dieser Teil des Freskos existiert nicht mehr aber rechts oben erkennt man noch Zelte des Lagers welches Kaiser und Papst beherbergte.
Im unteren Register erkennt man links (mein Foto ist leider unscharf aber zumindest fiel mir das Besondere dieser Szene auf) den Traum Kaiser Karls des Großen, den ein Engel umarmt! Ein Heiliger in Mönchskutte, wahrscheinlich der Hl. Anastasius, sah zu, ist aber nicht mehr zu erkennen. Symetrisch dazu befand sich früher rechts die Szene mit Papst und Engel. Auch hier erkennt man nur noch das Zeltlager und einige Mönche.
Hier gibt es drei Register. Die erste Szene im obersten Register war allerdings schon im 17. Jh., als Eclissi seine Aquarelle der Fresken anfertigte, zerstört. Die 2. Szene zeigt einen Mönch, der das Reliquiar mit dem Haupt des Hl. Anastasius den kaiserlichen Gesandten übergibt. Die folgenden Szenen hatten mit Sicherheit die Reise und die Ankunft des Reliquiars im Zeltlager von Kaiser und Papst, wo sich die Soldaten zum Gebet versammelt hatten, zum Thema.
Im mittleren Register erkennt man links noch den unteren Teil der Darstellung des Papstes. In seinen verhüllten Händen hält er das Reliquiar während Karl der Große zu Pferd eine Attacke gegen Ansedonia reitet. Auch von der Meerseite her greifen kaiserlich-päpstliche Truppen an:
Dank des wundersamen Eingreifens des Hl. Anastasius wird der Feind besiegt. Links vom Boot mit den beiden Soldaten erkennt man die beschriftete Darstellung der toskanischen Insel
Giglio westlich der Halbinsel Monte Argentario. Rechts in diesem mittleren Register schließlich die Schenkung der eroberten Gebiete. Zwei Gruppen von Personen umstehen einen Altar. Links Papst und Kaiser mit Gefolge, rechts Abt, Mönche und Laienbrüder von Tre Fontane. Sie halten eine Tafel auf der die Schenkungen verzeichnet sind, darunter Ansedonia und weitere Burgen in der Maremma.
Diese sind minutiös im unteren Register dargestellt und namentlich genannt. Ausgezeichnet erhalten ist z.B. die Darstellung des Monte Argentario mit der Burg Rocca Argentaria bei Orbetello. (Siehe oben).
Interessant ist, dass die geschilderten Ereignisse sich im 9. Jh. zugetragen haben müssten, die abgebildeten Mönche allerdings die weißen Kutten der Zisterzienser tragen, welche erst 1140 nach Tre Fontane kamen! :idea: Ein Zeichen dafür, dass sie es waren, die einerseits ihre Ansprüche auf Besitz in der Toskana rechtfertigen wollten, andererseits einen Beweis für die Macht der Reliquie des Hl. Anastasius liefern wollten.
Östliche Lünette
Die östliche Lünette, auf die man beim Betreten des Klostergeländes zugeht, zeigte früher eine thronende Madonna mit Kind umgeben von je zwei Heiligen und je einem knienden Zisterziensermönch.
Bei den Heiligen links handelt es sich um den Heiligen Benedikt von Nursia, der die Benediktinerregel mit sich trägt sowie um Paulus mit dem Schwert, einer Anspielung auf sein Martyrium. Rechts der Madonna erkennt man (besser erhalten) den Hl. Bernhard von Clairvaux sowie den Hl. Anastasius in weißer Kutte.
Il giardino
Am Ausgang des Torhauses bietet sich dieser wunderschöne Blick auf den sogenannten
giardino von Tre Fontane, die große Abteikirche mit vorgelagertem Portikus und ein Nebengebäude, in dem sich auch der Klosterladen befindet, dem wir später einen Besuch abstatteten:
Im
giardino befinden sich zwei Marienstatuen. Beide sind modern. Eine steht auf einer Säule, die andere, in der Mitte eines runden Brunnenbeckens.
Links: Blick zurück zum Torhaus
Rechts an der Mariensäule vorbei führt der Weg weiter zur barocken Rundkirche S. Maria Scala Coeli:
Im
giardino findet man viele antike und mittelalterliche Überreste. Teils sind Beete mit ihnen eingefasst, teils hat man sie zu einem Brunnen zusammengefügt. Wir haben zwar von dem Quellwasser, das ihn speist getrunken aber ich habe kein Foto dieses Brunnens. Er besteht aus einem kleinen Sarkophag und einer Inschrift. An der Wand des Gebäudes links von der Abteikirche sind folgende Fragmente angebracht:
Links und rechts:
Teil einer hochmittelalterlichen Chorschranke
Mitte und unten:
Marmorfragment aus römischer Zeit. Es stellt einen Philosophen oder
Paulus dar
Der 2. Teilbericht über Tre Fontane wird hauptsächlich von den drei Kirche auf dem Abteigelände handeln und ist bereits in Arbeit.