Freitag 02.10.2009
Samstag 03.10.2009
Madrid
Madrid war ein kleines, unbedeutendes Städtchen, bis Philipp II. es 1561 zur ersten festen Hauptstadt machte. Bis dahin waren die Residenzen wechselnd mal in Segovia, Valladolid und zuletzt hauptsächlich in Toledo. Toledo war (und ist) als Sitz des spanischen Primas das Zentrum der spanischen Kirche (und deren Macht und Einfluß). Philipp wählte Madrid, weil es ziemlich genau in der Mitte Spaniens liegt - und mit ca. 80 km Entfernung von Toledo weit genug weg von der Kirche, aber nah genug, um sie im Auge zu behalten.
Als neue feste Hauptstadt durchlief Madrid eine rasante Entwicklung, heute zählt es mit London, Berlin und Paris zu den großen Kapitalen Europas. Nach der Franco-Ära war die Stadt - wie wohl ganz Spanien - ziemlich vermufft. Nach Spaniens Beitritt zur EU wurden Teile der ersten Hilfsgelder dafür verwendet, sie auf Vordermann zu bringen: Die Gebäude wurden gereinigt, die Infrastruktur modernisiert. Heute präsentiert sich Madrid als weltoffene Metropole.
Zentrum Madrids ist die Puerta del Sol, ein großer, verkehrsreicher Platz, benannt nach dem früheren Osttor. Er ist gegenwärtig eine riesige Baustelle, daher lohnt sich kein Foto.
Bekannter ist der Plaza Mayor, ein fast quadratischer Platz, umbaut mit Gebäudetrakten im 'habsburgischen' Stil.
Nicht weit davon entfernt liegt der Plaza de la Villa mit einigen alten Gebäuden.
Um diese Plätze herum befindet sich das 'habsburgische' Viertel, aus der Zeit der Habsburger gibt es hier noch einige Gebäude.
Außerdem findet man zwei Klöster, die von Habsburger-Töchtern gegründet wurden.
Real Monasterio de la Encarnación
Monasterio de las Descalzas Reales
Richtig großstädtisch wurde Madrid aber erst unter den Bourbonen. Im Laufe der Zeit entstanden Bauten des Klassizismus, der Gründerzeit und Bauten in einem merkwürdigen Zuckerbäcker-Stil.
Der Königspalast entstand Mitte des 18. Jh. Er gehört zu den größten Schlössern seiner Zeit und beherbergt ca. 2000 Säle, Salons und Kabinette. Draußen bildet sich eine lange Besucherschlange, ähnlich wie in Versailles. Der Palast dient hauptsächlich repräsentativen Zwecken. Die königliche Familie wohnt in einem kleineren Schloß außerhalb Madrids.
Wie schon bemerkt war Madrid vor 1561 völlig unbedeutend. Es war auch kein Bischofssitz, hatte daher keine Kathedrale. Erst 1885 wurde das Erzbistum Madrid durch Ausgliederung aus dem Erzbistum Toledo gegründet. Dann wurde der Bau der Kathedrale, der schon im 18. Jh. begonnen worden war, forciert. Fertiggestellt wurde die Kathedrale erst 1993.
Der Bau ist im Wesentlichen neugotisch, dreischiffig mit Querhaus, Chorumgang und Kranzkapellen. Die Hauptfassade liegt dem Königspalast gegenüber und ist wie dieser klassizistisch gestaltet. Lang- und Querhaus haben Spitztonnen, sie sind - wie auch Apsis und Kuppel - etwas eigenwillig bemalt.
An der Stirnwand des rechten Querhauses wurde ein riesiges spätgotisches Retabel aufgestellt.
Heute mißt Madrid sich an den internationalen Metropolen. Es wird unglaublich viel gebaut. Die Arbeiten an der Infrastruktur scheinen auch Konjunkturprogramme zu sein. Spanien hat 18 % Arbeitslosigkeit.
Während der Flutung des Nasser-Sees waren auch spanische Ingenieure und Techniker an der Bergung von Altertümern beteiligt. Zum Dank schenkten die Ägypter den Spaniern die Reste eines Tempels. Nach vielem Hin und Her fanden diese schließlich einen schönen Aufstellungsort im Parque del Oeste nordwestlich vom Königspalast.
Unter den vielen Denkmälern Madrids findet man natürlich auch Cervantes.
Vor ihm reiten Don Quichotte auf seinem Rosinante und sein Schildknappe Sancho Panza auf seinem Esel Rucio.
Madrid ist die Stadt der Kunst. Das war es immer schon wegen des Prado (und vieler weiterer Museen). 1992 sind zwei weitere Sammlungen dazugekommen: Die Sammlung Thyssen-Bornemisza und das Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía.
Das Museo del Prado ist eines der größten und bedeutendsten Kunstmuseen der Welt.
Nach der Umgestaltung des Louvre wurde auch der Prado entmufft und modernisiert. 2007 wurde der kubusförmige Erweiterungsbau eröffnet.
Außerdem wurden im alten Gebäude Werkstätten und Büros zu Ausstellungsräumen umgewandelt, wodurch die Ausstellungsfläche erheblich erweitert wurde.
An der Nordseite wird Goya geehrt.
Der Prado nennt 8600 Gemälde vom 12. bis 19. Jh. sein Eigen. Außerdem Tausende weiterer Kunstgegenstände: Grafiken, Skulpturen, Münzen etc. Man muß daher die Auswahl bei jedem Besuch eingrenzen. Wir haben uns zunächst auf die drei großen Maler Spaniens beschränkt: El Greco, Velasquez und Goya. Den 'Rest' wollen wir am letzten Tag unserer Reise besuchen, da haben wir vor unserem Abflug reichlich Zeit.
Die Sammlung Thyssen-Bornemisza ist eine wunderbare Ergänzung zum Prado. Sie umfaßt denselben Zeitraum, geht aber darüber hinaus bis zur Mitte des 20. Jh.
Das dritte große Kunstmuseum an der 'Museumsmeile' ist das Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía. Dazu wurde ein großes Hospital umgebaut und ein moderner Anbau errichtet.
Zitat:
Durch das königliches Dekret vom 27. Mai 1988, welches das Centro de Arte Reina Sofía zum Nationalmuseum erhob, wurde auch festgelegt, dass die Sammlung vor allem aus Werken des 20. Jahrhunderts bestehen sollte. Als Nationalmuseum sollte weiterhin bevorzugt die Kunst spanischer oder mit Spanien verbundener Künstler gesammelt und gezeigt werden.
Auf zwei Etagen beherbergt das Museum neben vielen anderen Künstlern berühmte Werke der spanischen Avantgarde wie z. B.
* Joan Miró
* Juan Gris
* Pablo Picasso
* Salvador Dalí
genauso wie die berühmter zeitgenössischer Künstler wie z. B.
* Antoni Tàpies
* Eduardo Chillida
* Gerardo Rueda
Das bekannteste dort ausgestellte Gemälde ist wohl Picassos Guernica. Besonders interessant sind die zum Bild ausgestellten Skizzen, Studien und Entwürfe, welche das Entstehen des Gemäldes nachvollziehbar machen. (Wikipedia)