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Sonntag, 16. Tag vor den Kalenden des Januar, 2770. Jahr nach Grndung der Stadt

Rom, offene Stadt

Rom, offene StadtRoberto Rossellini
Rom, offene Stadt

Verlag: Sddeutsche Zeitung GmbH
Erschienen: 06. Mai 2006

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Kommentare zu diesem Artikel im Rom-Forum: 6

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Kommentar Nr. 1 von cellarius (22.11.07)
Rom, offene Stadt
 

"Es ist nicht schwer, gut zu sterben"


Einfhrung zum Film "Roma citt aperta" von Roberto Rossellini,
gehalten an der Universitt Augsburg am 21.11.2007
im Rahmen der Reihe "Filmgeschichte(n)" des Lehrstuhls fr Neuere und Neueste Geschichte
FilmGeschichte(n) des 19./20. Jahrhunderts
Sven Keller, M.A.



Am 24. September 1945, etwas mehr als vier Monate nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa, hatte im Teatro Quirino in Rom ein Film Premiere, der in den folgenden Monaten weltweit von der Kritik geradezu enthusiastisch aufgenommen wurde: Roberto Rossellinis Roma citt aperta. Bereits am 26. Februar 1946 war Rom Offene Stadt in New York zu sehen, wo er anschlieend 21 Monate lang lief. 1947 kam der Film auch in Grobritannien und Frankreich auf die Leinwand. Anders in Deutschland: hier dauerte es immerhin fnfzehn Jahre, bis zum 21. Februar 1961, bis man glaubte, Rossellinis Film dem Publikum zeigen zu drfen.

Historischer Hintergrund

Das lag nicht zuletzt an der Handlung des Films. Er spielt in der Zeit der deutschen Besatzung Roms, in den ersten Monaten des Jahres 1944. Am 25. Juli 1943 war Mussolini auch aus den eigenen Reihen und mit Untersttzung des Knigshauses gestrzt und sein Regime durch eine neue Regierung unter General Pietro Badoglio ersetzt worden. Am 8. September 1944 trat ein Waffenstillstand mit den Alliierten in Kraft die deutsch-italienische Achse war gebrochen.
Das NS-Regime reagierte: Durch ein Kommandounternehmen wurde der Duce befreit und als Fhrer eines Marionettenregimes der Repubblica Sociale Italiana installiert. Gleichzeitig besetzten deutsche Truppen Nord- und Mittelitalien, whrend die Alliierten den Sden kontrollierten.
Am 10. September kapitulierten die italienischen Streitkrfte in Frascati vor den Deutschen; die Kapitulationsurkunde enthielt einen Passus, nach dem Rom als offene Stadt zu behandeln war: Rom sollte von smtlichen militrischen Operationen ausgenommen und keine Truppen stationiert werden, der italienische Stadtkommandant sollte weiter amtieren. Lange hielt sich der deutsche Oberbefehlshaber Sd, Generalfeldmarschall Albert Kesselring, allerdings nicht an seine Zusicherungen: Am 23. September besetzten deutsche Fallschirmjger des Militrhauptquartier der Stadt, eine Woche spter wurde General Kurt Mltzer zum Stadtkommandanten ernannt. Die deutsche Besatzung Roms hatte begonnen. Sie sollte bis zum 4. Juni 1944 dauern, als die Deutschen die Stadt schlielich kampflos rumten.
Bei der Verwaltung sttzten sich die Deutschen auf die italienischen Behrden und faschistische Parteiformationen, die ihre Befehle von deutschen Stellen entgegennahmen. Dies traf ganz besonders fr den sicherheitsrelevanten Bereich der Polizei- und Staatspolizeiarbeit zu. In der Via Tasso befand sich das Gestapo-Hauptquartier, hier amtierte der berchtigte Kommandant der Sicherheitspolizei und des SD, SS-Obersturmbannfhrer Herbert Kappler. Kappler war der Hauptverantwortliche fr das schwerste deutsche Kriegsverbrechen auf italienischem Boden, das im Film allerdings keine Rolle spielt: Das Massaker in den Ardeatinischen Hhlen, gelegen unmittelbar auerhalb Roms, wo am 24. Mrz 1944 als Vergeltung fr einen Anschlag in der Via Rasella, dem 33 Deutsche zum Opfer gefallen waren, 335 italienische Zivilisten erschossen wurden.

Handlung des Films


Vor diesem historischen Hintergrund spielt Rossellinis Film. Die Handlung umfasst fnf Tage im Frhjahr 1944 und thematisiert den italienischen Widerstand in der Hauptstadt und seine brutale Unterdrckung durch die deutschen Besatzer, durch Wehrmacht und SS.
Der SS-Sturmbannfhrer und Gestapo-Chef von Rom, Bergmann, jagt den Kommunisten Giorgio Manfredi, der nach einer Flucht ber die Dcher Roms bei der schwangeren Pina Unterschlupf findet. Sie ist die Verlobte seines Freundes Francesco. Durch Pinas Sohn Marcello nimmt Manfredi Kontakt auf zum Gemeindepfarrer Don Pietro, der mit der Resistenza zusammenarbeitet. Nach einem nchtlichen Sabotageakt durchgefhrt von einer Bande von Jungen, denen auch Marcello angehrt umstellen italienische Polizei und Gestapo Pinas Wohnblock. Manfredi gelingt die Flucht; Francesco jedoch wird verhaftet und auf einem Lastwagen abtransportiert. Pina, die dem Fahrzeug schreiend hinterherluft, wird erschossen.
Francesco wird von der Resistenza befreit, und Manfredi kommt bei der Revue-Darstellerin Marina unter, mit der er ein Verhltnis hat. Doch Marina ist drogenschtig und verrt ihn an die deutsche Spionin Ingrid, von der sie mit Drogen versorgt wird. Am nchsten Morgen werden Manfredi, Don Pietro und ein deutscher Deserteur verhaftet, den Don Pietro in seiner Kirche versteckt gehalten hatte. Bergmann verhrt Manfredi und den Pfarrer. Als beide schweigen, lsst er den Ingenieur im Nebenraum foltern. Ohne etwas verraten zu haben, stirbt Manfredi im Beisein des Priesters, und auch Don Pietro wird am folgenden Tag erschossen.

Klassiker des Neorealismus


Rom Offene Stadt gilt als Geburtsstunde des italienischen Neorealismus, und in der Tat beeindruckt der Film vor allem durch seine Verwurzelung im gerade erst Geschehenen und die quasi-dokumentarische Authentizitt der filmischen Fiktion: Rossellinis Film ist sowohl inhaltlich wie auch handwerklich gekennzeichnet durch eine moralisch und politisch begrndete Orientierung hin zum realen Ereignis. Im Zentrum des Films steht die Aufzeichnung von Menschen, Taten und Orten in einem bewusst schmucklosen Stil, der auch als Abgrenzung vom Propagandafilm des Faschismus zu verstehen ist. Die vielen Einschrnkungen, denen die Herstellung des Films unterworfen war, waren so zugleich Stilmittel: so gab es etwa tagsber keinen Strom, so dass smtliche Innenszenen nachts gedreht werden mussten; fr zweite oder gar dritte Takes gab es selten ausreichend Filmmaterial. Auch der starke Rckgriff auf Laiendarsteller war nicht allein finanziellen Erwgungen geschuldet: Lediglich Aldo Fabrizi und Anna Magnani hatten bekannte Namen. Die Bewohner des Arbeiterwohnblocks, in dem Pina und ihr Sohn leben, wurden dagegen von den Menschen gespielt, die tatschlich dort lebten. So schlecht, wie die hufig zu lesen, waren die Produktionsbedingungen allerdings nicht: Dass die Produktion das Filmmaterial auf der Strae von einzelnen Fotografen zusammenkaufte, hat eine Restaurierung des Films 1995 als Legende entlarvt, und auch das Budget war verglichen mit zeitgenssischen Hollywoodproduktionen zwar niedrig, bewegte sich aber durchaus auf dem Niveau frherer, whrend des Faschismus produzierter italienischer Filme.

"Dramatisierter Dokumentarfilm"


Viele der Episoden, die im Film zu einer Handlung verwoben sind, beruhen auf tatschlichen Ereignissen, und so kann man Rossellinis Werk durchaus als dramatisierten Dokumentarfilm bezeichnen: die deutsche Razzia und die Flucht Manfredis ber die Dcher Roms aus der Anfangssequenz des Filmes beruhten auf einem Erlebnis Sergio Amideis, eines der Drehbuchautoren; die Wohnung an der Spanischen Treppe, in der die Szene spielt, war Amideis Wohnung, die als geheimer Kommunistentreffpunkt genutzt wurde. Maria Michis, die im Film die Marina spielt, hatte whrend der Besatzungszeit in ihrer Wohnung prominente Kommunisten darunter den spteren Generalsekretr der italienischen KP, Palmiro Togliatti versteckt; auch in ihrer Wohnung wurde gedreht. Die Figur Don Pietros beruht auf zwei Priestern, die den Widerstand untersttzt und 1944 verhaftet und erschossen worden waren: Don Pietro Pappagallo, der fr die Resistanza Dokumente geflscht und dem Massaker in den Ardeatinischen Hhlen zum Opfer gefallen war, und Don Giuseppe Morosini, der Partisanen mit Waffen versorgt hatte. Seine Hinrichtung war Vorbild fr die Erschieung Don Pietros im Film. Der Tod Pinas geht auf die Ermordung der fnffachen Mutter Theresa Gullace zurck, die am 2. Mrz erschossen wurde, als sie mit mehreren anderen Frauen fr die Freilassung ihres Mannes demonstrierte, der nach Deutschland zur Zwangsarbeit deportiert werden sollte.

Rom als Raum oben und unten

Die Perspektive des Films auf seinen Schauplatz, auf das deutsch besetzte Rom, ist dabei eine doppelte: Zum einen wird die Stadt entlang der Machtverteilung vertikal zwischen oben und unten geteilt. Besatzer und Faschisten oben einerseits: Gleich zu Beginn bespricht Sturmbannfhrer Bergmann eine Zoneneinteilung mit dem italienischen Polizeiprsidenten und berichtet von seinen Spaziergngen durch Rom, die er anhand von heimlich gemachten Fotografien unternimmt, ohne sein Bro und seinen Schreibtisch zu verlassen. Andererseits unten die Bewohner und Widerstandskmpfer, fr die die Stadt voller versteckter Fluchtwege, sie Blicken hinter die Fassaden: so versteckt sich hinter einem Antiquittenladen etwa eine illegale Druckerei. Zum anderen gibt es horizontale, rtliche Trennungen innerhalb der Stadt: zwischen dem Hauptquartier der Gestapo in der Via Tasso (gedreht wurde allerdings nicht am Originalschauplatz) und der Pfarrkirche von Don Pietro (Sant'Elena fuori Porta Prenestina, an der Via Casilina gelegen) etwa oder zwischen dem Arbeiterviertel Prenestina und grobrgerlichen Viertel Parioli: In Prenestina steht der Wohnblock, in dem die tapfere Pina lebt, ebenso ihr als guter Mann und guter Stiefvater charakterisierter Verlobter Francesco; in Parioli befindet sich Marinas Wohnung und die Revue, in der sie auftritt.

Sexualitt und Geschlechterrollen


Der Gender-Aspekt spielt in Rossellinis Film eine wichtige Rolle; er dient vor allem dazu, die moralischen Gegenstze in Rossellinis Realismus-Fiktion zu verfestigen. Deutlich wird dies etwa am Gegensatz der Arbeiterwelt von Pina und Francesco und der Welt der Nachtclubs, in der sich Lauretta, Pinas Schwester, und Marina bewegen: Solidaritt und Antifaschismus verbunden mit starken Moralvorstellungen auf der einen Seite (auch wenn Pina unehelich schwanger ist, strebt sie doch die Ehe an) glamourses Auftreten, Geld, Drogen, sexuelle Ausschweifung, Prostitution und schlielich Verrat auf der anderen Seite. Auch die Rollenmodelle einzelner Protagonisten verfgen ber geschlechtsspezifisch konnotierte Identitten: Der nie lchelnde Kommunist Manfredi ist schroff und lakonisch, geradezu ein Prototyp des Mnnlichen. Bergmann dagegen ist sein genaues Gegenbild: grinsend, mit trippelndem Gang, die Hand an der Hfte ist er im Gegensatz dazu feminin, ja homosexuell angelegt. Gleiches gilt fr das Verhltnis zwischen Marina und der deutschen Spionin Ingrid, das von Publikum und Kritik als eindeutig homophil konnotiert wahrgenommen wurde. Den Zuschauern Ende der 1940er Jahre waren diese auf Homophobie rekurrierenden Stereotypen und die damit transportierte Botschaft nur zu verstndlich. Gut und Bse wird damit auch auf geschlechtlicher und sexueller Ebene transportiert; damit einher geht die Identifikation von Weiblichkeit im Auftreten mit Schwche (Lauretta, Marina, aber auch Bergmann, der italienische Polizeichef oder der Deserteur) und Mnnlichkeit im Auftreten mit innerer Strke (Manfredi, Francesco, aber auch Pina).

"Es ist nicht schwer, gut zu sterben gut zu leben, ist schwer"


Rossellinis Film transportiert also eine klare, moralisch unterftterte Scheidung zwischen Gut und Bse auch wenn die Grenzen gelegentlich flieend sind (etwa im Fall Marinas, die Ihren Verrat bereut). Dies kommt auch im zentralen Motiv des Films zum Ausdruck, dem Sterben fr die eigene, als gut, richtig und notwendig erkannte Sache. Vier Menschen sterben in Rossellinis Film: Einer davon, der deutsche Deserteur, fllt dabei aus dem Rahmen: Sein Tod ist nicht zu sehen, er stirbt verngstigt und von eigener Hand, von seinem Tod erfhrt der Zuschauer nur, als Bergmann eine entsprechende Meldung erhlt. Und doch passt auch er zumindest indirekt in das genannte Schema: Immerhin impliziert seine Desertion die Weigerung, fr eine schlechte, unmoralische Sache das Leben zu lassen. Dennoch ist die Distanz zum Sterben Manfredis, Pinas und Don Pietros deutlich, das von Mut und Entschlossenheit, vom Eintreten fr die eigenen Ziele und Ideale und nicht zuletzt von Solidaritt gekennzeichnet ist.
Der erste dieser drei Tode die Erschieung Pinas markiert den zentralen Wendepunkt des Films, der in der Folge dsterer wird. Humoristische, teilweise sogar Slapstick-Elemente aufweisende Szenen, die sich im ersten Teil des Filmes zuhauf finden, kommen nun nicht mehr vor; die Koexistenz von komischen und tragischen Momenten findet ein abruptes Ende.
Das Ziel, das Rossellinis Fiktion auf realer Basis verfolgt, ist offensichtlich: Das Publikum soll das Bse verabscheuen und von den Motiven des Guten berzeugt werden. Der Film bietet eine visuelle Darstellung Roms unter deutscher Besatzung und beschreibt das alltgliche Leben in dieser Stadt ebenso wie die Interaktion von Raum und Macht.

"Vlkerverhetzende Wirkung"? Mngel der deutschen Schnitt- und Synchronfassung

Warum nun aber, so meine abschlieende Frage, war dieser Film in Deutschland erst 1961, ber fnfzehn Jahre nach seiner Entstehung, zu sehen? Aufschluss gibt das Auffhrungsverbot aus dem Jahr 1950. Es unterstellte dem Film, die historische Wahrheit berdreht darzustellen. Angesichts einer neuen europischen Situation seien geradezu vlkerverhetzende Wirkungen zu befrchten. Was genau damit gemeint war, zeigt nicht zuletzt die deutsche Synchronisation und Filmfassung vom Anfang der 1960er Jahre. Leider bieten die in Deutschland momentan auf DVD erhltlichen Versionen nicht die originale Schnittfassung: So fehlt etwa in der Filmsequenz, in der Manfredi von der Gestapo gefoltert wird, eine detaillierte Darstellung der Folterinstrumente. Ebenso fehlt eine Einstellung, in der das Opfer gefesselt an der Wand geqult wird eine Einstellung, die in ihrer Ikonographie stark an Crucifixus-Darstellungen gemahnt und in eine ganze Reihe hnlicher Bilder im Film gehrt (die Aufnahme von Pinas Leiche durch Don Pietro ist an das Motiv der Piet angelehnt, eine Einstellung des gefolterten Manfredi erinnert an Darstellungen des gemarterten Christus). Die Unterschlagung dieser Szene beraubt den Film einer seiner strksten Invokationen antifaschistischen Heroismus und Mrtyrertums.


Die deutsche Synchronisation ist nicht weniger mangelhaft als der Schnitt. Die Tendenz, die deutschen Besatzer und ihre Herrschaft in Rom in einem zumindest etwas abgemilderten Licht zu zeigen, ist offensichtlich; zu diesem Zweck macht die deutsche Synchronisation vor inhaltlichen Verflschungen nicht halt. So war es offenbar unter den Vorzeichen des Kalten Krieges in der Bundesrepublik der frhen sechziger Jahre nicht mglich, eine positive Darstellung kommunistischen Widerstandes zuzulassen die deutsche Fassung macht aus Rossellinis Kommunisten folglich konsequent Sozialisten.
Weitere Beispiele finden sich zuhauf: Im Original marschiert in der Erffnungseinstellung des Films eine deutsche Einheit zu Marschmusik durch Rom in der deutschen Fassung ist der Marschtritt deutlich abgeschwcht, die Musik fehlt ganz. In einer der letzten ironisch-komischen Szenen des Films bringen deutsche Soldaten zwei Schafe zu einem Wirt mit der Bemerkung, sie htten Fleisch mitgebracht. Der Wirt entgegnet, er sei Gastwirt und kein Metzger, woraufhin die Soldaten erklren, das Schlachten wrden sie bernehmen. Im Original ist die Replik des Gastwirtes schlagfertig und voller Galgenhumor: Ja, fr das Schlachten seien sie, also die deutschen Soldaten, ja Spezialisten. Die deutsche Synchronisation macht ihn dagegen fast schon zum Kollaborateur, der fr die Dienste der Soldaten ein paar Flaschen in Aussicht stellt, auf die es ihm nicht ankomme.
Als letztes Beispiel sei noch die folgende Szene angefhrt, die whrend der Razzia in Pinas Wohnblock spielt. Don Pietro und Marcello werden Zeugen, wie eine Frau, die offenbar von zwei deutschen Soldaten gejagt auf den Balkon ihrer Wohnung flchtet. Was genau sie mit der Frau vorhaben, deutet der Film lediglich an. Im Original ruft die Frau um Hilfe und schreit die Soldaten an, sie mgen sie in Ruhe lassen bzw. loslassen. Die deutsche Synchronisation legt ihr ganz andere Worte in den Mund: Sie wolle nicht mehr Leben, ruft sie den Soldaten zu, die so gar zu potenziellen Rettern der Frau stilisiert werden, die Selbstmordabsichten zu haben scheint.
Nicht nur deshalb sei die Originalfassung mit deutschen Untertiteln dringend empfohlen. Auch wenn die Tonqualitt schlechter ist als die der Synchronfassung, ist die atmosphrische Dichte doch ungleich hher und die Dialoge werden weniger hlzern vorgetragen. Zuletzt sei auf einen weitere Besonderheit der italienischen Originalfassung hingewiesen, die in der Synchronfassung verloren geht: Die deutschen Besatzer sprechen im Film tatschlich deutsch.

Literatur:
Forgacs, David: Rom Offene Stadt (Roma citt aperta), Leipzig 2005 (orig.: David Forgacs, Rome Open City (Roma citt aperta), London 2000).
Forgacs, David; Sarah Lutton; Geoffrey Nowell-Smith (Hrsg.): Roberto Rosselini. Magician of the Real, London 2000.
Gottlieb, Sidney (Hrsg.): Roberto Rossellinis Rome Open City, Cambridge 2004.
Katz, Robert: Rom 19431944. Besatzer, Befreier, Partisanen und der Papst, Essen 2006.
Woller, Hans: Die Abrechnung mit dem Faschismus in Italien 1943 bis 1948, Mnchen 1996.

Links:
Rom, offene Stadt
Rom, offene Stadt

Fotos aus: David Forgacs, Rome Open City (Roma citt aperta), London 2000.

Schriftfassung leicht abgendert und ergnzt, um das Fehlen einer Prsentation zu kompensieren.
Kommentar Nr. 2 von patta (22.11.07)
Danke Sven fr die detaillierte Beschreibung eines Films, den ich bislang nur in deutsch kannte (und sehr schtze). Das letzte Kapitel lsst mich nun allein mit dem Wunsche, mal die Originalfassung zu sehen.

Gre von
patta.
Kommentar Nr. 3 von cellarius (28.11.07)
An dieser Stelle noch der Hinweis auf das "Filmgeschichte(n)"-Blog des Lehrstuhls fr Neuere und Neueste Geschichte der der Uni Augsburg; neben meinen beiden Einfhrungen zu "Rom - Offene Stadt" und, aus dem letzten Jahr, Ernst Lubitschs "Sein oder nicht sein" finden sich noch eine Reihe anderer Filmeinfhrungen von Kollegen; im Laufe des Semesters werden noch einige dazu kommen.

FilmGeschichte(n) des 19./20. Jahrhunderts
Kommentar Nr. 4 von Gaukler (28.11.07)
Danke fr den Hinweis ... und das erklrt zugleich, was ich mich insgeheim schon gefragt hatte (und vielleicht ja nicht nur ich) - also ich meine: Dass du dir jeden Tag nicht nur ein, sondern eher zwei bis drei Beine ausreit fr dieses Forum, das sind wir ja nun schon gewohnt
... aber dass du dir so viel Mhe gemacht httest "nur" dafr, das hatte mich schon gewundert.
Kommentar Nr. 5 von cellarius (28.11.07)
Zitat von Gaukler Beitrag anzeigen
... aber dass du dir so viel Mhe gemacht httest "nur" dafr, das hatte mich schon gewundert.
"Einfhrung zum Film "Roma citt aperta" von Roberto Rossellini,
gehalten an der Universitt Augsburg am 21.11.2007
im Rahmen der Reihe "Filmgeschichte(n)" des Lehrstuhls fr Neuere und Neueste Geschichte"

stand da aber auch schon, bevor ich den Link ergnzt habe...
Kommentar Nr. 6 von cittaterna (28.04.12)
Besuchen Sie mal das Stadteil Pigneto. Da hat man "Roma, citt Eterna" gedreht.
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